Release Gestöber 60 (Blockhead, Wanda, Gus By Heart)

Blockhead

Treue Leser dieses Blogs werden über die Jahre vielleicht schon bemerkt haben, dass ich ein großer Fan von Blockhead bin. Der US-Amerikaner ist ein Sample-Guru und Downtempo-Virtuose, dessen Platten stets einen uneingeschränkten Genuss darstellen. Anlässlich seines vorangegangenen Albums Interludes After Midnight schrieb ich dies: „Wie kaum ein anderer zimmert er Hip-Hop-Beats, gibt der Chose eine oft funkig austarierte Note, erweckt allerlei Vocal-Samples zum Leben. Wo Electronica oft in steriler Tüftelei vergeht, wirkt sein Tun überaus quirlig, hemdsärmelig gezimmert, mitunter aus der Zeit gefallen und dennoch keineswegs altbacken.“ Ich nannte die Platte damals einen Trip durch den urbanen Dschungel. Demnächst steht nun mit Bells and Whistles ein neues Werk zur Veröffentlichung an. Und doch ist nicht alles eitel Wonne. Denn diesmal wird Blockhead sein Album in Eigenregie veröffentlichen. Die Gründe für das keinesfalls bittere Ende der Zusammenarbeit mit dem renommierten Label Ninja Tune hat er auf seinem Blog dargelegt. Ninja Tune habe sich nach fünf Alben dagegen entschieden, Bells and Whistles herauszubringen, da ein mit Samples gespicktes Album viele Probleme berge. Auch andere Plattenfirmen hätten deshalb abgewunken. Blockhead erklärt dies so: „While I’d argue that the stuff I’m using is pretty obscure, I can’t blame labels for being hesitant. After all, the way they make money off music in 2014 is by licensing songs for tv, movies and commercials. When a song is chock full of samples (as mine tend to be) that severely limits what these labels can do with your music.“ Längst sind es nicht mehr Plattenverkäufe oder gar Streams, die ein wenig Kleingeld in die Kassen spülen. Die Lizenzierung eines Track für TV, Fernsehen oder Werbung ist eine der verlässlichsten Geldquellen. Wenn jedoch ein Musiker eine Menge Samples benutzt, wäre das rechtlich äußerst heikel. Dementsprechend hegt Blockhead Ninja Tune gegenüber auch keinen Groll. Und steht zugleich wieder da, wo er sich zu Anfang seiner Karriere befand. Je weniger die früher blühende Sampling-Kultur inmitten all der rechtlichen Fallstricke noch gedeihen kann, desto mehr scheinen Künstler wie Blockhead vom Aussterben bedroht. Und warum das ganz und gar bedauerlich wäre, illustrieren zwei Vorboten des neuen Albums, nämlich On The Back Of A Golden Dolphin und Kaput!.

Bells and Whistles erscheint am 18.11.2014.

Wanda

Wäre Pete Doherty ein Junge aus Wien, ja hätte er anstelle von englischer Rüpelhaftigkeit doch Wiener Schmäh mit der Muttermilch aufgesogen, dann würde er jetzt vielleicht zusammen mit der Wiener Formation Wanda musizieren. Wanda sind ausgemachte Schlawiner, die mit ihrem im Oktober anstehenden Debüt Amore den Missing Link zwischen Austropop und Indie-Rock nachliefern. Dieses Platte ist so leiwand wie ungestüm obszön. Nicht nur bei der verhinderten Inzest-Hymne Bologna sitzt dem Album der Schalk im Nacken, auch die bei Luzia eingestreute  Textzeile „Mein Glied unterwirft sich der Diktatur deines Mundes Baby“ müsste man eigentlich abwatschen. Doch der jugendlichen Raubeinigkeit der Wiener ergibt man sich gerne. Charme und Witz von Amore sind sagenhaft, lassen die deutschsprachige Konkurrenz geradezu verkniffen und borniert wirken. Wanda sind schlichtweg eine Wucht. Und darum werde ich in den nächsten Wochen der Band hier noch ausführlichst huldigen!

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Amore erscheint am 17.10.2014 auf Problembär Records.

Gus By Heart

Ende 2012 hatte ich auf den unter dem Namen Gus By Heart werkenden schwedischen Singer-Songwriter Gustav Svedung hingewiesen, die gefühlsträchtigen Stücke seiner EP Rather Be Singing Than Thinking gelobt. Gus By Heart ist nämlich ein wahrer Meister der Emotion, der seinen Liedern stets eine prägnante Empfindung, eine zärtliche Sehnsucht abzuringen vermag. Anfang Oktober nun erscheint endlich ein Debütalbum namens Ocean Spirit. Und die zwei bereits veröffentlichten Songs zeigen dabei eine beachtliche Spannbreite. Zum einen wäre da die Pianoballade Belong, ein Duett mit der wunderbaren Adna, über die ich demnächst ein paar Worte verlieren möchte. Belong atmet eine ganz simple, pathosfreie Zuversicht, ein unverbrüchliches Zusammengehörigkeitsgefühl. Es verkörpert einen Augenblick der Erfüllung, des Glücks. Das zweite Lied Train in the Sky wiederum ist eher im Bluesrock-Americana-Bereich angesiedelt, erzählt von einem Traum während einer Zugfahrt, der  durch das abrupte Auftauchen des Schaffners schlagartig endet. Auch diese Momentaufnahme, jenes Nachspüren eines seltsamen Traums, fällt sehr ansprechend aus. Grund genug also, sich auf das anstehende Album zu freuen. Ich drücke die Daumen, dass Gus By Heart mit seinem Debüt viele, viele Fans findet. (Belong und Train in the Sky sind als kostenloser Download via SoundCloud verfügbar.)

Ocean Spirit wird am 08.10.2014 via By Heart Rec. veröffentlicht.

SomeVapourTrails

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