Stippvisite 23/10/2014

Musik fällt nicht einfach so in den Schoß. Man sucht sie, entdeckt sie, nur selten schnappt man sie zufällig irgendwo auf. Wenn ich die Seiten meiner geschätzten Bloggerkollegen und manch vertrauter Magazine durchstöbere, ist die Wahrscheinlichkeit freilich groß, dass ich eher früher denn später auf besondere Klänge stoße. So auch dieses Mal!

Debüttipp:

Musiker sind trotz mancher Eigenarten normal tickende Menschen. Auch für sie gilt, dass viele gerne mal Chef spielen wollen, eine eigene Band gründen möchten, nach einer Selbstverwirklichung streben. Warum auch nicht? Speziell wenn das Ergebnis eine umwerfende Dream-Pop-Single ist. Anna Bulbrook, Bandmitglied bei The Airborne Toxic Event, und Marc Sallis, Bassist bei The Duke Sprit, haben sich zum Duo The Bulls zusammengeschlossen und dieser Tage den Track Come Unwound veröffentlicht. Dieser Song besticht durch den verträumten Gesang Bulbrooks, shoegaziges Gitarrenspiel und eine für dies Genre untypisch präsente Violine. Es ist ein Lied, das in den Strophen ätherisch atmet und im Refrain hymnisch dröhnt. Eine Schwalbe macht bekanntlich keinen Sommer, ein tolles Stück garantiert noch kein starkes Album, aber in diesem Fall kann ich mich kaum zurückhalten und harre gespannt den Lieder, die da hoffentlich in Bälde kommen. Diese Bandgründung jedenfalls scheint eine verdammt gute Idee. (via Coast Is Clear)

Songwritertipp:

Der aus Toronto stammende Singer-Songwriter Doug Paisley hat Anfang des Jahres ein wirklich großartiges Americana-Album namens Strong Feelings fabriziert. Damals habe ich die Qualitäten des Werks so dargelegt: „Ob Country-Ballade oder Folk-Rock-Track, immer verbindet Paisley die unaufgeregte Hemdsärmeligkeit des Fühlens mit der Integrität des begnadeten Liedermachers und einem zutiefst wohligen, eleganten Sound.“ Leider, so zumindest ist mein Eindruck, hat diese Platte in unseren Breiten nicht viel Resonanz gefunden. Zum Glück lässt sich Paisley nicht entmutigen und legt dieser Tage eine neue, 2 Titel umfassende Single vor. Vielleicht sorgt ja seine Zusammenarbeit mit Bonnie ‚Prince‘ Billy für mehr Aufmerksamkeit. Until I Find You begeistert als andächtiges, in seiner reduzierten Besonnenheit ergreifendes Duett, das den Wesenskern von Folk offenlegt. Wer Herrn Paisley bisher noch nicht kannte, sollte also diese Chance endlich nutzen und sich gefälligst anrühren lassen! (gefunden auf Exclaim!)

Kollaborationstipp:


Scott Walker & Sunn O))) – Brando on MUZU.TV.

Zugegeben, im Nachhinein betrachtet macht es Sinn. Scott Walker geistert als eine der radikalsten Gestalten durch die Musikgeschichte. Walkers Platten sind oftmals ein intellektueller Anschlag, meisterhaft in ihrer anspruchsvollen Verstörung, eben eine unbehagliche Kunst, die weh tun soll und muss. Mir wären durchaus einige spannende Bands und Musiker eingefallen, mit denen der Altmeister eine irritierende Platte hätte aufnehmen können. Auf die Power-Ambient-Doom-Formation Sunn O))) wäre ich jedoch in hundert Jahren nicht gekommen. Nun aber ist es plötzlich da, dieses Gemeinschaftswerk Soused. Und fast hätte ich es verpasst, aus mir unerfindlichen Gründen. Wenn ich mir freilich einen Track wie den Opener Brando zu Gemüte führe, erscheint diese Zusammenarbeit so schlüssig wie gelungen. Und da der Eindruck dieses Werks noch so frisch ist, fehlen mir dazu die passenden Worte. Wie gut, dass der werte Bloggerkollege Peter von den Schallgrenzen bereits eine sehr treffende Einschätzung abgegeben hat: „‚Soused‘ ist ein ausserirdisches Meisterwerk, der selbstgefällige, hochtrabende Gesang von Scott Walker schneidet wie heisses Messer durch Butter, die Klangwelten der amerikanischen Nebelheimer Sunn O))) sorgen für den kakophonischen Klangteppich.“. Wie wahr!

Manchestertipp:

Bester Schaumwein kommt aus der Champagne, die leckersten Lebkuchen aus Nürnberg und die verlässlichste Musik aus… Manchester! Eine Band, die als Herkunftsort Manchester angibt, hat bei mir schon einen Stein im Brett. Die wenigen unerquicklichen Ausnahmen zementieren vielmehr die Regel, als dass sie Grund zum Zweifel geben. Aus diesem Grund möchte ich dem werten Leser die Formation Shinies ans Herz legen, die Anfang nächsten Jahres ihr Debütalbum Nothing Like Something Happens Anywhere veröffentlichen wird. Wenn man sich den den Vorabtrack de C so anhört, muss man an nervös-zappeligen Riffs, einem verschlurften Gesang, dem lärmige DIY-Flair und der melodischen Qualität einfach Gefallen finden. Ich zumindest bin entzückt! Made in Manchester eben! (via human cannonball)

Das soll es für heute wieder einmal gewesen sein. Demnächst mehr!

SomeVapourTrails

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