Unsere Lieblingsalben 2014

Wir haben auch 2014 wieder so einiges an Musik gehört und vieles davon auf dem Blog vorgestellt. Hier sind die 20 Platten, die meine Co-Bloggerin und mich in diesem Jahr fasziniert haben. Wir hätten sicher auch mindestens ein Dutzend weitere wunderbare Alben nennen können, der Übersichtlichkeit halber wollen wir es bei 20 Stück belassen. Vielleicht schaffen wir es ja, das eine oder andere Werk dem werten Leser doch noch ans Herz zu legen!

1. Wanda – Amore

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Fazit: Es lässt das Kulturgut Austropop in der Moderne ankommen. Wanda sind so robust wie feinsinnig, so euphorisch wie wehmütig, so schlawineresk wie direkt. Mehr noch, Wanda sind die, die all der Heurigenseligkeit und dem ganzen Walzerflair ein Stückchen Wien abtrotzen, es wieder auf der Landkarte des Pop-Rock verorten. (Review)

VÖ: 17.10.2014 (Problembär Records)

2. Kasabian – 48:13

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Fazit: Spätestens mit Velociraptor! haben sich Meighan, Pizzorno, Chris Edwards und Ian Matthews zu dem Act schlechthin gemausert. 48:13 versieht diesen Aufstieg mit einem nachdrücklichen Ausrufezeichen. Und so ganz allmählich sollte sich dieser Umstand auch endlich bis ins verschnarchte Deutschland herumsprechen. Es wäre an der Zeit. Denn sie sind, was sie sind: Englands bester Act der letzten Dekade! (Review)

VÖ: 06.06.2014 (Sony Music)

3. My Brightest Diamond – This Is My Hand

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Fazit: My Brightest Diamond ist eher schon die Antithese des Pop, weil die dem Pop vielfach grundgelegte Oberflächlichkeit einer experimentellen Verkopftheit weicht. Dazu gesellen sich mit Argusaugen betrachtete und auf ihre Ernsthaftigkeit abgeklopfte Sentimente. This Is My Hand zeichnet sich durch große Kreativität und eleganten künstlerischen Ausdruck aus. Es ist ein superb gefertigtes Album samt spannender Vision, die das Ich überwindet. (Review)

VÖ: 12.09.2014 (Asthmatic Kitty)

4. Paolo Nutini – Caustic Love

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Fazit: Ein Singer-Songwriter, der diese keinesfalls vordergründigen Lieder ersonnen hat, ist gar nicht hoch genug einzuschätzen. Allerdings wird dies erstklassige Songwriting mitunter von der Interpretation des Schotten überlagert. Sein Stimme erwächst zur Sensation schlechthin, zum Grund, warum er in den Mainstream und an die Spitzen der britischen Charts vorgedrungen ist. In Sphären also, die man normalerweise nur mit Kitsch und Schmalz entert. Paolo Nutini verkörpert die verdammt authentische Ausnahmeerscheinung, die alles in den Schatten stellt. (Review)

VÖ: 11.04.2014 (Warner Music)

5. King Creosote – From Scotland With Love

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Fazit: Und so entstand die Idee zu dem Dokumentarfilm From Scotland With Love, der dem schottischen Alltagsleben vergangener Jahrzehnte nachspüren möchte. Das Scottish Screen Archive öffnete der Regisseurin Virginia Heath dafür seine Schatzkisten. Und bald wurde auch ein Singer-Songwriter gefunden, welcher diesen Bilder eine musikalische Seele einhauchen sollte. Der unter dem Namen King Creosote werkenden Schotte Kenny Anderson gab den Sequenzen des Films eine Geschichte. Im gegenseitigen Wechselspiel wurden die Bildercollagen von der Musik beeinflusst und zugleich die Songtexte auf die Filmaufnahmen zugeschnitten. Das Resultat präsentiert uns einen schottischen Alltag abseits touristischer Klischees. (Review)

VÖ: 18.07.2014 (Domino)

6. Dry the River – Alarms in the Heart

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Fazit: Natürlich ist ihr Folk-Rock samt hymnischen Chamber-Pop-Anleihen nicht samt und sonders mit Snow Patrol vergleichbar. Doch beiden Bands ist ein Frontmann gemein, dessen sonore, helle Stimme über ungeahnte Dynamik und fragile Herzenswärme verfügt. Was Gary Lightbody für Snow Patrol ist in noch größerem Maß Peter Liddle für Dry The River. Liddle behält sich stets die Unschuld und das Staunen eines Chorknaben. Deshalb erscheint mir Alarms In The Heart auch dazu prädestiniert, viele Menschen zu durchdringen. Weil es so echt wirkt, das Herz rührt und bricht. (Review)

VÖ: 22.08.2014 (Transgressive)

7. Lana Del Rey – Ultraviolence

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Fazit: Sie schlüpft auf ihrer neuen Platte Ultraviolence in geradezu archetypische Rollen: Ob als dem Macker verfallenes Mädchen oder als Hippie-Braut, die auch einen Jack Kerouac auf seinen Streifzügen durch ein wildes Amerika begleiten hätte können, in ihren Liedern stecken Charaktere, die an eine Blanche DuBois aus Endstation Sehnsucht, Elizabeth Taylor oder den ewigen Mythos Lolita erinnern. In gewaltvollen, drogenverseuchten Beziehungen voll prekärem Verlangen wird eine meist ungesunde Lust am Leben abgebildet. Lana Del Rey verklärt sich zur Göttin, deren musikalische Inkarnationen in der Regel als gefallene Engel glänzen. (Review)

VÖ: 13.06.2014 (Vertigo Berlin/Universal)

8. Papercuts – Life Among The Savages

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Fazit: Stilistisch erklärt sich Life Among The Savages aus der Schnittmenge diverser Pop-Stile. Ein wenig psychedelische Verträumtheit vermengt sich mit milchigem Chamber Pop und retroesker Sonnigkeit. Quever ringt sich dabei meist einen fast flüsternden Singsang ab. Im Vergleich zur aufgeweckten Lieblichkeit der Vorgängerplatte wirkt das neue Werk wesentlich schleppender in der Attitüde, trägt die Bürde eines Seufzens, einer veritablen Melancholie auf den Schultern. (Review)

VÖ: 30.05.2014 (Memphis Industries)

9. Damien Jurado – Brothers and Sisters of the Eternal Sun

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Fazit: Wenn es eine Botschaft von Brothers and Sisters of the Eternal Sun gibt, die man sich ins Herz schreiben sollte, dann wohl die aus Suns in Our Mind stammende Zeile „We are all we dream of“. Im Glauben daran nimmt uns Damien Jurado an die Hand, entführt uns in einen Zustand wohligster Wärme und reinster Ästhetik. (Review)

VÖ: 17.01.2014 (Secretly Canadian)

10. Marianne Faithfull – Give My Love to London

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Fazit: Faithfulls Legendentum liegt bis heute freilich weniger in ihrem musikalischen Wirken begründet als in dem Umstand, dass sie eine Überlebende der revolutionären Sechziger ist. Sie hatte den Mix aus Drogen und Rebellion allerdings nur haarscharf überstanden. Sie wird bis heute auf die Gefährtin Mick Jaggers, ja überhaupt auf das Gesicht einer vergangenen Epoche reduziert. Diese Wahrnehmung blendet das aus, was Faithfull vor allem und bis heute war und ist: Eine großartige Interpretin, eine starke Songwriterin, eine charismatische Persönlichkeit. Give My Love to London fängt all diese Talente ein. Es ist ein von vielen begnadeten Helfern mitgetragenes Alterswerk, wie es im Buche steht. Mögen noch viele solche Platten folgen! (Review)

VÖ: 26.09.2014 (Naïve)

11. Sharon Van Etten – Are We There

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Fazit: Sharon Van Etten ist kein Poetin vor dem Herren, der die Metaphern nur so aus den Händen rieseln. Ihre Lyrics wirken dennoch beklemmend nahe, unmittelbar wie Tagebucheinträge, vor Realismus strotzend. Ihre Worte sind nie Haut und Knochen, an ihnen klebt ein Fleisch voller Wunden. Darin besteht der Reiz von Are We There, dass es nie im Elfenbeiturm gezimmert wirkt, sondern ungeheuer real Licht und Schatten darstellt. Dieses Werk liebt und leidet, ist jener Liebe völlig ausgeliefert – und wird letztlich auch von ihr beschützt. Van Ettens Stimme scheint ohnehin seit jeher über jeden Makel erhaben. Sie schillert schon lange als einer der hellsten Sterne am Singer-Songwriter-Firmament. (Review)

VÖ: 23.05.2014 (Jagjaguwar)

12. Kasai Allstars – Beware The Fetish

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Fazit: Die Mitglieder der Kasai Allstars entstammen fünf verschiedenen ethnischen Gruppen aus der kongolesischen Region Kasai. Ihr Miteinander überwindet Unterschiede, entwirft somit auch das Bild eines Morgens, welches das vielleicht nicht immer leichte Gestern nie vergisst. Ihre Kritik an gegenwärtigen Missständen beantwortet das Kollektiv mit dem Verweis auf die Geschichte, mit allgemeingültigen Werten, die auch im Hier und Heute nichts von ihrer Geltung für die Gemeinschaft eingebüßt haben. Beware The Fetish ist so modern, wie es sein kann, und so traditionell, wie es sein will. (Review)

VÖ: 27.06.2014 (Crammed Discs)

13. Kalle Mattson – Someday, The Moon Will Be Gold

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Fazit: Someday, The Moon Will Be Gold wagt sich ohne Selbstmitleid an Themen wie Trauer und Schmerz. Es beschert glaubhaften Trost, schenkt eine Hoffnung, die nicht auf Naivität oder Schönfärberei baut. Mattsons Fühlen verschmerzt den Verlust nicht. Das Glück hüpft nicht einfach in den Weg, pappt kein Pflaster auf die Wunde, zaubert kein Lächeln ins Gesicht. Leid wird erlitten, ertragen, nicht weggezaubert. Doch sieht Mattson auch das Licht in der Ferne, das hoffentlich glücksträchtige Irgendwann! (Review)

VÖ: 07.03.2014 (Trickser)

14. Lily & Madeleine – Fumes

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Fazit: Lily & Madeleine sind keine mit Kalkül erschaffene Altherrenfantasie der gehobenen Sorte. Doch natürlich verkörpern sie den für ältere Semester mit ehrlicher Nostalgie erinnerten Moment, wenn die Mädchenhaftigkeit in Fraulichkeit übergeht. Ein Indiz dafür, dass hier keine Halbwüchsigen belauscht werden, besteht weiters darin, dass man Fumes nicht mit gängigen Etiketten wie niedlich oder keck versehen kann. Fumes wird beim männlichen Publikum zu punkten wissen, weil es das Ende der Jugend in edle Farben taucht, zwangsläufig das Bild eines die lästige Puppenhülle abstreifenden Schmetterlings erweckt. (Review)

VÖ: 24.10.2014 (Asthmatic Kitty)

15. The Dø – Shake Shook Shaken

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Fazit: The Dø ist eine unerschrockene Hommage an vergangene Zeiten gelungen, die sich doch stark vom ungelenken Retro-Kram unterscheidet, der seit einigen Jahren die Szene flutet. Shake Shook Shaken zitiert, paust jedoch nie an ab, es erinnert sich nicht nur, sondern puzzelt sich das Gestern mit viel eigener Fantasie zurecht. Vor allem aber glorifiziert die Platte das Gestern nicht, sondern geht mit historischem Eifer an die Sache ran. The Dø schreiben die Achtziger neu. Und diese Zeitreise gelingt. (Review)

VÖ: 24.10.2014 (Embassy of Music)

16. Toumani & Sidiki Diabaté – Toumani & Sidiki

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Fazit: Wenn der Vater mit dem Sohne musiziert, dann treffen sich Vergangenheit und Zukunft für diesen Augenblick der Gegenwart. Toumani Diabaté & Sidiki Diabaté erfüllen dies Aufeinandertreffen mit stiller Feierlichkeit und verspielter Innigkeit. Das Album gerät zu einer intimen Erneuerung und freudigen Umarmung von Konventionen. Es setzt Geschichte geradlinig fort, wo der Individualismus unserer Tage lieber Haken schlägt. (Review)

VÖ: 02.05.2014 (World Circuit Records)

17. Condor Gruppe – Latituds del Cavall

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Fazit: Die Antwerpener Formation Condor Gruppe sattelt bei ihrem Ende September veröffentlichten Debüt Latituds del Cavall die Pferde für einen ganz speziellen Trip. “Man klangmalert, man jammt, man irrt mit Bedacht vom Wege ab. Es sind ureigentlich Soundtracks für karge Landschaften, die Condor Gruppe abliefern.” hat die Kollegin weiters zu vermelden. Und tatsächlich erleben wir hier stimmungsvolles Kopfkino für grüblerische Outlaws, die sich musikalische Farbtupfer in eine landschaftliche Weite träumen. Track für Track schlängelt sich auf unbekannten Pfaden entlang, begibt sich auf eine Reise, deren Weg das Ziel zu sein scheint. All die Stücke der Platte kommen ohne Höhepunkte aus, negieren eine Zuspitzung. Sie flirren im Galopp dahin, das Irgendwo des Horizonts im Augenwinkel. In diesem so bodenständigen Sound fühlt man die sengende Sonne an den Haarwurzeln, Insekten zwischen den Zähnen und ein sandiges Knirschen unter den Hufen. (Review)

VÖ: 27.09.2014 (Condor Men Records)

18. PHOX – PHOX

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Fazit: Legionen von Bands würden ihr letztes Hemd geben, um solch eine Frontfrau zu ergattern. Doch Monica Martin hat das unsagbare Glück, einer Formation vorzustehen, für die jener delikate Gesang lediglich das i-Tüpfelchen darstellt. Dass sich PHOX dennoch damit schmücken dürfen, macht aus einer interessanten Band eine ganz und gar vorzügliche. Denn solch weltläufigem Chic und pfiffigem Sound muss man erliegen. Und darf sich dabei noch ein wenig in Martins Stimme verlieben. (Review)

VÖ: 29.08.2014 (Partisan Records)

19. Die Heiterkeit – Monterey

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Fazit: Monterey präsentiert die Band gereift, ihr versonnener und tiefsinniger Indie-Pop zeigt mittlerweile eine wissende Attitüde, eine Unerschütterlichkeit und große Gemütsruhe. Die Heiterkeit hat die letzten Überbleibsel an Görenhaftigkeit eingemottet und ist hoffentlich endgültig und auf alle Fälle frühzeitig ins Charakterfach gewechselt. (Review)

VÖ: 28.02.2014 (staatsakt)

20. Warm Graves – Ships Will Come

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Fazit: Dem im Leipzig ansässigen, aus den USA, Italien und Deutschland zusammengewürfelten Trio Warm Graves ist mit Ships Will Come ein in dieser Darreichungsform einmaliges Album geglückt. Die Kombination aus Synthie-Flächen, der tribalhaften Rhythmik und dem gedämpft aus dem Hintergrund agierenden Chor macht das Werk zum Soundtrack einer unterdrückten wie rebellischen Zukunft. Solch ein futuristischer Entwurf hätte besser nicht ausfallen können. (Review)

VÖ: 17.10.2014 (This Charming Man)

SomeVapourTrails

2 Gedanken zu „Unsere Lieblingsalben 2014

  1. Dass es die Condor Gruppe in Deine besten Alben des Jahres schafft, hätte ich mir nie erträumt, als ich ein kleines Blog zur belgischen Popmusik startete! 🙂 Schöne Liste, gutes Jahr musikalisch, freuen wir uns aufs nächste. Guten Rutsch, meine Lieben!

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