Musikvideo: Noel Gallagher’s High Flying Birds – Ballad Of The Mighty I

Fassen wir zusammen: Ein grummeliger Noel Gallagher wird vom vermeintlichen Regisseur des Videos noch kurz instruiert und mit einem Selfie malträtiert, ehe er durch eine abgerockte Vorstadtszenerie spaziert und von einer barfüßigen und auch sonst nicht eben dick eingemummten jungen Frau angerempelt wird. Er folgt ihr zum einem Fluss, an dessen Ufer die verhärmte Junkie-Braut doof in der Gegend rumsteht. Gallagher, ganz Gentlemen, reicht ihr seine Jacke und schlendert weiter, bis er in eine wohl ehemals von Handwerk und Industrie geprägte, ebenfalls heruntergekommene Straße kommt, wo ein paar Schuhe von Telefon- oder Stromleitungen baumeln. Vor einem Bekleidungsgeschäft stibitzt er sich im Vorbeigehen eine Jeansjacke. Nun sieht der Bursche in seiner roten Hose und der ebenso eng geschnitten Jacke endlich wie die coole Sau aus, die er nun mal immer war und heute noch ist. Plötzlich kreuzen zwei flüchtende Gestalten seinen Weg, sie scheinen einen elegant gekleideten Kerl überfallen zu haben, der nun reglos am Boden liegt. Gallagher nimmt den daneben befindlichen großen Koffer an sich und tapst weiter, nicht ohne zu bemerken, dass er von einem dunkel gekleideten Mann der Marke James Bond für Arme beobachtet wird. Noel biegt nun in einen Hinterhof ein, dreht sich dabei um und stellt fest, dass der Unbekannte ihm nun folgt. In aller Seelenruhe betritt er ein Haus und findet sich in einem geschäftigen Büro wieder, eines von der Sorte, wie Start-ups es mögen. Auf einem Apple Notebook läuft die Szene mit der joggenden Frau. Gallagher schleicht in der nächsten Einstellung durch einen dunklen Keller in einen Proberaum samt Bühne, wo er den zuvor in Besitz genommen Koffer öffnet und eine Gitarre hervorholt, die er sich ohne zu zögern umhängt. Er geht zur bereits musizierenden Band auf die Bühne und tritt zum Mikro. Währenddessen schleicht auch sein Verfolger im Proberaum umher. Noel stakst kurz darauf von dannen, sieht nochmals zu den von der Leitung baumelnden Schuhen hoch, ehe er plötzlich wieder am Ausgangspunkt des Videos dahindackelt. Die Musik endet, der Regisseur schreit „Cut“, will ihn loben und spricht ihn dabei mit dem Namen Liam an. Ein Fauxpas! Das übellaunige Genie geht seiner Wege und lässt eine verdatterte Crew zurück.

Was nun will uns der Clip zu Ballad Of The Mighty I sagen? Der Regisseur John Hardwick hat bereits das eine oder andere Musikvideo auf dem Buckel, die verlotterte Tristesse mit einem stets mürrisch in die Kamera blickenden Gallagher ist in dumpfen Bildern edel fotografiert. Das Video ist zu aufwändig gestaltet, um ein DIY-Gewackel ohne Sinn und Verstand zu sein. Wir sind die Seltsamkeit von Musikvideos ja gewohnt, sie müssen meist ohne Dialoge auskommen und im Idealfall dennoch eine von den Lyrics losgelöste Story erzählen. Hier jedoch fehlt mir Fantasie, um der Geschichte eine Bedeutung abzutrotzen. Wie schade, denn eigentlich wollte ich ab nun verstärkt auf die Mache von Musikvideos blicken, ihre Bedeutung in Zeiten von YouTube und Co. zu verstehen trachten. Und dann kommt ein Noel Gallagher mit etwas daher, das keineswegs hanebüchen scheint, jedoch auch keine schlüssigen Interpretation zulässt. Wer mir den Clip erklären mag, soll dies gerne tun. Ach ja, übrigens, dieser Song ist klasse. Man darf sich auf das für Februar angekündigte Album von Noel Gallagher’s High Flying Birds wirklich freuen.

Noel_Gallaghers_High_Flying_Birds_album_artwork.jpg

Chasing Yesterday erscheint am 27.02.2015.

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SomeVapourTrails

2 Gedanken zu „Musikvideo: Noel Gallagher’s High Flying Birds – Ballad Of The Mighty I

  1. Ich finde ja Manchester sieht da haargenau wie Berlin Neukölln aus, die Junkie-Braut sieht aus wie die Junkiebräute in unserem Viertel und die Hipster sehen ident mit den hiesigen Hipstern aus. Erschreckend. Ich dachte immer wir leben tatsächlich am coolsten Platz der Welt… noch schlimmer, die Streetart im Video, sieht genauso aus wie… achja die Neuköllner/Kreuzberg… und die baumelnden Schuhe… wie die Quadratlatschen die hier so kunstvoll baumeln. Tja….

    DifferentStars

  2. Das Lied finde ich cool – und das Video gefällt mir tatsächlich auch. Hat was Surreales und leicht Absurdes, damit kriegt man mich immer. 🙂 Und über den Dialog am Ende konnte ich sogar herzlich lachen, was bei früheren Oasis-Videos undenkbar gewesen wäre, hehe.

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