Schlaglicht 1: Adna

Die langgedienten Bloggerkollegen werden dies kennen: Wenn man sich nämlich bei der Frage ertappt, ob man eine Sängerin oder Band eigentlich schon einmal auf dem Blog entsprechend gewürdigt hat. Und beim Kramen in den Tiefen der Blogvergangenheit stößt man dann vielleicht nur auf einen Nebensatz aus dem Jahre Schnee. Die neue Kategorie Schlaglicht soll Musikerinnen beinhalten, über die ich längst schon schreiben wollte und die ich auch zukünftig im Auge behalten möchte. Heute sei auf die in Berlin lebende Schwedin Adna verwiesen.

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Photo Credit: Marcus Nyberg

Skandinavische Singer-Songwriterin tragen oft ein zerrüttetes Gemüt zur Schau. Da blickt man in Gesichter, die von 1000 Jahren Regenwetter gegerbt scheinen. Auch Adna ist eines dieser Geschöpfe skandinavischer Tristesse. Sie imponiert durch berückende Fragilität, pickt sich Emotionen aus der Seele. So etwa beim Song Night von ihren gleichnamigen Debüt. Pianoballaden stehen ihr gut, sie geistert in ihnen herum, mal tönt sie von fern als schwarz-weiße Kontur, mal schimmert sie in feierlichem Kerzenschein. Auch Belong, ihr letztjähriges Pianoduett mit dem schwedischen Singer-Songwriter Gus By Heart, strotzt vor kammerspielartiger Intensität. Belong atmet eine ganz simple, pathosfreie Zuversicht, ein unverbrüchliches Zusammengehörigkeitsgefühl. Für dieses Frühjahr ist nun Adnas zweite Platte Run, Lucifer angekündigt. Die erste Kostprobe Living entpuppt sich als druckvoller Pop mit balladesken, luftigen Passagen und einem Noise-Pop-Refrain. Es überzeugt als Lied, das zwischen Introspektion und ekstatischen Ausbrüchen schwankt. Adna zeigt sich somit als Sängerin, die die mädchenhafte Schwermut und skandinavische Kühle ab und an auch zu überwinden versteht und in mitreißendem Pop loslichert. Und weil ihr Tun beileibe nicht nur nach einem Schema F funktioniert, traue ich der jungen Schwedin so einiges zu. Run, Lucifer zählt zweifelsfrei zu den Alben, von denen ich mir 2015 sehr, sehr viel verspreche.

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