Schlaglicht 3: Justin Townes Earle

Fett ist, wie uns die Fernsehköche der Republik längst eingetrichtert wollen, ein vermeintlicher Geschmacksträger. Und deshalb kommt auch das Schmalz in der Musik nicht von ungefähr. Ganze Genres triefen vor Fett, etwa die Country-Musik. Da lobe ich mir einen wie Justin Townes Earle, dem ich in der Vergangenheit ja schon manch schmeichelnde Zeile geschenkt habe. Earles Edel-Country und Americana ist wundersam kitschfrei, im Alltag von Menschen verhaftet. Die Stereotypen des Genres, ob nun dudelige Gefühlsduselei, stramm-patriotische Verklärung oder die oftmals abgedroschene Outlaw-Leier, all diese Klischees sind ihm fremd. Justin Townes Earle hat als Spross von Steve Earle und als Patenkind von Townes Van Zandt jede Menge musikalische Kompetenz in die Wiege gelegt bekommen.Von großen Namen umzingelt zu sein, weckt mitunter vielleicht den Wunsch nach Rebellion, der Abkehr von familiärer Tradition. Doch begreift sich Justin Townes Earle nie als Revoluzzer, der das Wesen des Country gänzlich über den Haufen werfen möchte. Im Gegensatz zu seinem Vater ist Politik kein Thema seines Schaffens und auch die überbordende Traurigkeit eines Townes Van Zandt scheint ihm fremd. Seine Stärke sind vielmehr Geschichten aus dem Kleineleutemilieu. Dem letztjährigen Album Single Mothers lässt er nun die ergänzende Platte Absent Fathers folgen. Beide Werke sind sicher ein Stück weit auch unter einem biographischen Aspekt zu verstehen, denn Steve Earle verließ die Familie, als Justin zwei Jahre alt war. Trotz manch therapeutischer Offensichtlichkeit gerät an diesen zwei Alben vor allem der Umstand bemerkenswert, dass Justin Townes Earle Emotionen und Verletzungen wunderbar eindringlich, angenehm unprätentiös abzubilden versteht. Es sind Texte, die aus dem Leben gegriffen wirken, denen jedoch jedwede Banalität fehlt. Das Gefühl zu schärfen, es dabei aber nicht aufzubauschen, solch besonderes Talent tritt bei seinem Schaffen immer mehr hervor. Keine Frage, dieser Musik fehlt das Schmalz, nicht jedoch Herz und Hirn!

absentfathers

Absent Fathers ist am 09.01.2015 auf Loose Music erschienen.

Konzerttermin:

28.01.2015 Hamburg – Nachtspeicher

Links:

Offizielle Homepage

Justin Townes Earle auf Facebook

SomeVapourTrails

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