Songs von gestern und immer: All the Umbrellas in London

Als Musikblogger ist man permanent von aktuellen Veröffentlichungen umgeben, vor lauter jetzigen Tönen vergisst man mitunter das Hören der Lieder und Alben, die die Leidenschaft für Musik erst begründet haben. Daher will ich ab jetzt vermehrt einen Blick auf die Songs von gestern und immer werfen.

Über The Magnetic Fields muss ich dem eingefleischten Musikfan wirklich keine Vorträge halten. Seit 24 Jahren schon fabriziert Mastermind Stephin Merritt feine Indie-Pop-Perlen von ausgesucht textlicher Raffinesse. So etwa beim 1999 veröffentlichten, drei CDs umfassenden Klassiker 69 Love Songs. Merritt vermag die ganze Klaviatur von Beziehungszuständen auszureizen, er wuppt ironische Brechungen, er kennt Larmoyanz ebenso wie bedauerndes Schulterzucken, er reicht Gefühle in pittoresker Schönheit dar. Wer Liebe in all ihren Facetten begreifen möchte, sollte keine Ratgeber oder aufgeplusterte Romane lesen. Merritts Schaffen zu durchforsten, das reicht völlig. Doch sind den Magnetic Fields keinerlei menschliche Regungen fremd. Eines meiner persönlichen Lieblingslieder, All the Umbrellas in London nämlich, findet sich auf dem 1995 erschienenen Werk Get Lost. Dieser in Weltschmerz getauchte Song bietet einen geradezu beiläufigen Refrain auf, der Lebensverdrossenheit in perfekte Zeilen fasst: „All the umbrellas in London couldn’t stop this rain/ And all the dope in New York couldn’t kill this pain/ And all the money in Tokyo couldn’t make me stay/ All the umbrellas in London couldn’t stop this rain„. Gerade die stoisch gemurmelte Darbietung lässt dieses Lied zum Anti-Pop werden, der der niedergeschlagenen Emotion mit Respekt begegnet und selbige nie überzeichnet. Auch deshalb mag ich diesen Track sehr.

SomeVapourTrails

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