Gutmensch, höchstpersönlich – Xavier Rudd

Xavier Rudd ist Gutmensch. Er engagiert sich für Umweltbelange, Menschenrechte und Multi-Kulti, in hiesigen Breiten wäre er ein eingefleischter grüner Spinner, der rein nichts verstanden hat und genau deshalb jedem aufgeklärten PEGIDA-Anhänger ein Dorn im Auge sein muss. Xavier Rudd glaubt an Menschlichkeit und Nachhaltigkeit, jene Grundsätze also, die die deutsche und österreichische Rechte mit Verachtung straft. Auch weil sie dem Irrglauben verfallen ist, dass es eine selektive Nächstenliebe geben könne. Doch wer Menschen helfen möchte, schert sich nicht um Herkunft oder Hautfarbe. Alles andere sind Ausreden. Rechte wiederholen gebetsmühlenartig, dass man doch den armen Österreichern oder Deutschen zunächst helfen müsse. Ich habe 10 Jahre ehrenamtlich in der kirchlich organisierten Obdachlosenhilfe gearbeitet, komisch nur, dass die dortigen Helfer ein eher linkes Gedankengut pflegen. Die strammen Rechten, die Vorrang für bedürftige Landsleute fordern, habe ich dort nie angetroffen. Doch zurück zu diesem außergewöhnlichen australischen Singer-Songwriter. Rudds musikalische Vision ist eine ungewöhnlich positive. Er gibt bei allem Zorn über vergangenes und gegenwärtiges Unrecht nie den Kassandrarufer, er ist vielmehr vom Glauben an Humanität ganz und gar durchdrungen. Seine Mischung aus Folk, Ethno-Klängen und Reggae vermag zu vereinen, nicht zu spalten. Schon sein letztes Album Spirit Bird von 2012 war der Vision einer besseren Zukunft verpflichtet, ich sprach damals von einem Traumpfad hin zur Natur. Für sein im März anstehendes neues Werk Nanna hat Rudd nun eine bunte Musikerschar zusammengetrommelt und dieses Projekt mutig als Xavier Rudd & The United Nations bezeichnet. Der Australier möchte mit seiner Musik einen weiteren Beitrag im Geist der Völkerverständigung leisten. Der diesmalige Fokus auf Reggae taucht die Platte in einen warmen Sound, speziell zu Beginn entwickelt sich so eine angenehme Entspanntheit, die im Verlauf dann Rudds Handlungsaufforderung hervorbringt. Ein Songtitel wie Come People ist keinesfalls eine abgehalfterte Hippie-Parole. Er überzeugt als unerschütterlicher Aufruf, nur das Beste in uns zuzulassen. Diesen Appell zur Einheit mag man als naiv abtun. So sehr dieser Tage auch das verächtliche Gerede vom Gutmenschtum die Runde macht, so drängender erscheint mir Frage, welche Alternative es dann dazu gibt. Mit Stolz vorgetragene Hartherzigkeit, ein Negieren globaler Verantwortung kann und darf doch nicht die Lösung sein. Bis zur Veröffentlichung von Nanna werden wir uns noch ausführlicher damit beschäftigen, bis dahin sein dem werten Leser allerdings bereits versichert: Es mag in der Musik den einen oder anderen Gutmenschen geben, doch mehr Glaubwürdigkeit und Engagement als ein Xavier Rudd zu versprühen, scheint kaum möglich.

nanna_cover

Nanna erscheint am 20.03.2015 auf Nettwerk Records.

Links:

Offizielle Homepage

Xavier Rudd auf Facebook

SomeVapourTrails

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.