Regional ist besser 2: Woods Of Birnam

Ich lamentiere ja öfter mal, dass so manche Band, wenn man sie auch nur für eine Sekunde aus den Augen verliert, sich sogleich auf Nimmerwiedersehen auflöst. Jedenfalls habe ich vor einigen Monaten mit Erstaunen festgestellt, dass die Mitglieder von  Polarkreis 18 schon seit 2012 getrennte Wege gehen. So ganz habe ich nicht durchschaut, was nach dem großartigen Hit Allein Allein schief gegangen ist. Damals schien für die Dresdner eine internationale Karriere eigentlich durchaus realistisch. Ein paar Mitglieder von Polarkreis 18 machen mittlerweile zusammen mit dem Schauspieler Christian Friedel als Woods Of Birnam Musik. Das selbstbetitelte Debüt erschien vergangenen Herbst und hinterließ einen hochsoliden Eindruck und ab und an war auch jener hingebungsvoll-ekstatische Moment vorzufinden, der bereits Polarkreis 18 sehr gut zu Gesicht stand. Nicht umsonst hat es der Song I’ll Call Thee Hamlet auf den Soundtrack des Schweiger-Films Honig im Kopf geschafft. Wie sich dieser Titel von einer in Shakespeare’schem Grübeln verhafteten Strophe zum theatralischen Refrain aufschwingt, zählte im letzten Jahr sicher zu den gelungensten musikalischen Augenblicken deutscher Provenienz. Woods Of Birnam zeigen nämlich ein Beifall verdienendes Kunststück: Sie verstehen Songs auf kultivierten wie eingängigen Pathos hinzutrimmen, all das vermittelt die Leichtigkeit von Pop und zugleich eine tiefgängige Reife. Ein Song vom Schlage von Closer muss man geradezu mögen. Auch weil Friedels Gesang eine feine Empfindsamkeit bereithält. Sogar eher missratene Tracks, die vielleicht einen Tick zu sehr nach Song Contest tönen, vermag Friedel noch zu drehen, mit aufrichtig-unschuldiger Gefühligkeit auszustatten (Falling). Manchmal ringen sich Woods Of Birnam sogar zu Synthie-Pop durch (Dance) und auch derart machen sie eine gute Figur. Letztlich erweist sich aber die Band dann am besten, wenn sie sich ohne Wenn und Aber zur bedeutungsschwangeren Geste bekennt, so geschehen beim textlich mächtigen Titeltrack Woods Of Birnam („Life is but a tale/ Full of sound and fury and exuberance/ Told us by an idiot/ Who stands upon the stage and then/ Then is heard no more„). Spätestens hier hört mein Bedauern über das Ende von Polarkreis 18 auf, stellt sich uneingeschränkte Freude über dieses neue Projekt ein!

Ab 20.02.2015 begeben sich Woods Of Birnam unter dem Motto Come To The Woods auf große Deutschlandtour. Und begeben sich dabei in Städte, die internationale Acts gerne mal links liegen lassen. Also ein Grund mehr wieder zu behaupten: Regional ist besser!

woodsofbirnam_cover

Woods Of Birnam ist am 07.11.2014 auf Royal Tree Records erschienen.

Konzerttermine:

20.02.15 Zittau – Kronenkino
21.02.15 Würzburg – Cairo
22.02.15 Regensburg – Heimat
23.02.15 Wien (AT) – B72
24.02.15 München – Milla
25.02.15 Nürnberg – Club Stereo
28.02.15 Stuttgart – Schocken
02.03.15 Haldern – Haldern Pop Bar
03.03.15 Oberhausen – Druckluft
04.03.15 Kassel – Schlachthof
05.03.15 Dresden – Beatpol – AUSVERKAUFT
14.03.15 Dresden – Beatpol
20.03.15 Hannover – Faust
21.03.15 Leipzig – Moritzbastei
22.03.15 Berlin – Bi Nuu

Links:

Offizielle Homepage

Woods Of Birnam auf Facebook

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