Keine üppige Italo-Bombshell – Laura Carbone

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Der Name Laura Carbone erinnert mich irgendwie an hochgradig kultiges, ein wenig schrottiges Italo-Kino der Siebziger. Doch wem nun eine üppige Bombshell vor dem geistigen Auge herumtränzelt, sollte seine Fantasie besser im Zaum halten. Denn so eine ist Frau Carbone nicht. Sie ist vielmehr im eher schnöden Mannheim beheimatet, hat bereits mit der Band Deine Jugend auch sich aufmerksam gemacht. Ihrem jüngst veröffentlichten Solowerk Sirens kann man so einiges attestieren, jedoch keinerlei Affinität zu jeglichem Italopop. Der Bloggerkollege Coast Is Clear etwa versteigt sich sogar dazu, beim Song Heavy Heavy an eine Lana Del Rey mit PJ Harvey-Gitarren zu denken. Für mich schwingt bei diesem Lied eine Portion der exzellenten Darkness Falls mit. Beim tollen Track Swans dagegen muss ich an die fiebrigen Achtziger einer Laura Branigan oder Kim Wilde denken, das ist waviger Pop samt starker Melodie, die sich eingängig zum Quadrat präsentiert.

Carbone hat so einige Stilrichtungen an Bord, Silky Road klingt nach einem fraglos besseren Song-Contest-Titel, gerät im im besten Sinne altbackenen Bombast-Refrain smart mainstreamig. Auch den Happy-go-lucky-Sound von Late Night Conversations hat bei diesem Wettbewerb schon ab und an gezündet, wäre dort nicht fehl am Platz. Plan Of Attack wiederum wagt sich mal eine Dekade nach vorn, klingt wie eine erdigere Version von The Cardigans. Carbones Retromanie führt in der Folge auch zu Favorite Disease, das man sich ein wenig poppiger bereits aus dem Munde der Bananarama-Girlies hätte vorstellen mögen. Im Hier und Heute so solide gestrig zu klingen, die kribbelige Facette der Achtziger derart authentisch einzufangen, zählt zu den Vorzügen von Sirens. Man merkt der Platte keine Sekunde an, dass sie der deutschen Provinz entsprungen ist. Der Electro-Pop von Stigmatized könnte auch aus einem gegenwärtigen musikalischen Hotspot wie Brooklyn stammen. Laura Carbone ist somit ein Album gelungen, das mit einem winzigen Hauch Nostalgie die aufgeregten Versprechungen der großen weiten Welt der Achtziger in das Jahr 2015 transportiert. Wer dieses Werk nur einmal hört, wird sofort auf den Geschmack kommen – und nebenbei keine Sekunde länger Gefahr laufen, Frau Carbone mit einer Italo-Sexbombe von vor 40 Jahren zu verwechseln.

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Sirens ist am 27.01.2015 auf Duchess Box Records erschienen.

Konzerttermine:

29.04.2015 Berlin − Berghain Kantine
23.05.2015 Leipzig − Wave Gotik Treffen

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SomeVapourTrails

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