Regional ist besser 3: Isolation Berlin

Als wären die goldenen Hausbesetzerzeiten nur einen Steinwurf entfernt, derart tönt die Formation Isolation Berlin. Die Band kitzelt die Großstadttristesse aus der Hauptstadt heraus, sie suhlt sich im Siechtum Berlins, zerknüllt den völlig verkritzelten alternativen Entwurf dieser gerade hochgradig angesagten Sehnsuchtsmetropole. Die EP Körper gibt sich marode, am Zahnfleisch kriechend und hat mit hippem Hipstertum rein gar nicht gemein. Isolation Berlin sind mit einer Lebensgier der Verzweiflung gesegnet, Berghain-Party-People kennen sie wohl nur vom Hörensagen. In jener rüden, rumpeligen, schlicht kompromisslosen Poesie lauert eine Schonungslosigkeit, wie man sie in Berlin Tag für Tag um die Ohren gehauen bekommt. Die Musik mutet so an, als würden Zigarettenkippen an alten Narben ausgetötet. In Isolation Berlin steckt verdammt viel von einem Berlin, das sich nicht mittels Bilder romantischen Verfalls transportieren lässt. Hier prügeln Emotionen auf nackte Körper ein, dagegen wirkt Sadomaso wie ein Kindergeburtstag.

Eine Zeile wie „Gib mir deine Hand und lass mich nicht allein, ich folg dir in den Untergang, Prinzessin Borderline“ arbeitet mit Volldampf am eigenen Scheitern, stochert nach dem kleinen Funken Glück in der schlechtesten aller Welten. Prinzessin Borderline ist schicksalshafter Post-Punk mit NDW-Zungenschlag. Die ganze Crux, sämtliches Elend offenbart das Titellied Körper: „Menschen und Gesichter nutzen sich schnell ab. Alle Frauen der Welt machen mich nicht satt. Ich fresse und ich fresse, doch ich krieg den Hals nicht voll. Berausche meine Sinne mit dem Dämon Alkohol.“ Dieses Sich-gehen-Lassen, dieser unentwegte Exzess führt letztlich zum frustriert krakeelten Hilfeschrei: „Ich muss aus meinem Körper raus.„. All der Hunger nach Leben wendet sich gegen den Protagonisten, die Seele praktiziert Bulimie. An der Radikalität von Isolation Berlin kommt man nicht vorbei. Es offenbart ein Krüppeldasein, das aufbäumend auf Radau gebürstet ist. Meine Damen und Herren etwa wartet mit der Erkenntnis auf: „Man hat uns gesagt, die Liebe macht schön. Das ist wohl auch der Grund, der Grund dafür, dass wir so hässlich sind.„. Zum Ende dieser ungemein kompakten EP fährt die Band nochmals schwere Geschütze auf. Das Lied Isolation Berlin schwillt zur lärmigen Anti-Hymne an, die sich mit einem Strick am Bahnhof Zoo im Damenklo das Leben nehmen will. Berlin im Tran, absurd-gelähmt sogar, dass selbst ein Suizid nur Gedankenspiel bleibt. Die EP Körper kommt aus dem Untergrund – und sagt doch alles, wirklich alles über die Realitäten der Metropole aus.  Muss man haben!

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Körper ist am 13.03.2015 auf staatsakt erschienen.

Konzerttermine:

26.03.15 Stuttgart – Merlin
27.03.15 Chemnitz – Nikola Tesla
28.03.15 Leipzig – Noch Besser Leben
07.04.15 Wien (AT) – Rhiz
08.04.15 Nürnberg – MUZclub
09.04.15 Salzburg (AT) – Rockhouse (+ Wanda)
10.04.15 Baden (CH) – Royal (+ The Elwins)
11.04.15 Rorschach (CH) – Treppenhaus

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