Mit leichter Hand und voller Verve – Rah Rah

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„Prairie indie rock“ nennt das kanadische Magazin Exclaim! jenen Sound, als „Slacker-Power-Pop“ preist der Pressetext die aktuelle Platte der kanadischen Formation Rah Rah an. Die Band aus der ruralen Provinz Saskatchewan hat ein ausgesprochenes Händchen für supergefälligen Indie-Pop-Rock, für mitreißend-quirlige Melodien. Der fantastische Song Chip Off The Heart etwa erscheint mir wie eine äußerst quietschfidele Mischung aus Scanners und Ladytron, ein bisschen Blondie schimmert ebenfalls durch. Be Your Man wiederum ist gitarriger Indie-Rock mit einem Hauch von Springsteen’schem Machismo. Diese beiden Titel eröffnen das im März erschienene Album Vessels. Rah Rah sind nicht leicht auf eine Spielweise festzulegen, denn neben der Rock-Instrumentierung klassischen Zuschnitts flippen immer wieder auch Synties in den Vordergrund. Dazu teilt sich die Band das Mikrofon, hier tritt kein Mitglied speziell hervor. Rah Rah sind im positivsten Sinne schwer auszurechnen. Worauf man sich jedoch ohne Zweifel verlassen kann, ist die Verve des Vortrags.

In ihren stärksten Momenten fabriziert die Gruppe Ohrwürmer für all die alternativen, jugendlichen Radiostationen dieser Welt. Wenn man bei Vessels nach einem Haar in der Suppe suchen möchte, dann darf man anmerken, dass sich nach dem fulminanten Beginn eine gewisse Normalität einstellt. A Love That Sticks prägt sich noch ein, auch weil das gesangliche Wechselspiel prima funktioniert, vor allem im Refrain alles in Butter ist. Fix Me allerdings ist ein unauffälliges female-fronted Midtempo-Stück, auch der Girlie-Pop von Wolf Eyes haut nur bedingt vom Hocker. Und das in dylanhafter Manier intonierte The First Night We Met gerät in der Folge endgültig vergessenswert. Erst mit einem Riff, wie man es auch von The War on Drugs hören könnte, kriegt das weihevolle All I Got Is Today wieder die Kurve. Und dank Good Winter, welches Exclaim richtigerweise als „a raw and rocking mix of crunchy guitar riffs, fragile vocals and bittersweet lyrics full of nostalgic remembrances“ zusammenfasst, nimmt die Platte abermals Fahrt auf. Surgery fällt dann nochmals herrlich schräg – sogar: überragend – aus. Jener vehemente wie ätherische Gothic-Western-Pop setzt einen ganz frischen Akzent.

Ob Männlein oder Weiblein am Mikro, ob Power-Pop oder Indie-Rock bis zum Anschlag, Rah Rah erweisen sich als launige, dynamische Band, die mit leichter Hand ganz große Töne spuckt. Ihre Lieder haben die Kraft, einem trüben Tag ein Lächeln abzutrotzen, müden Körpern einen Hüftschwung abzuringen. Vessels unterhält in einem Maß, wie es für den Indie-Bereich unüblich ist. Unter Musikkennern werden Gute-Laune-Klänge ja gerne abschätzig gesehen, doch wer angesichts dieser Melodien nicht in Wallung gerät, sollte zum Musikhören von nun an in den Keller gehen. Angebrachter freilich wäre es, zu den Konzerten von Rah Rah zu pilgern, dieses Wochenende sind sie nämlich in Berlin und Hamburg zugange!

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Vessels ist am 27.03.2015 auf DevilDuck Records erschienen.

Konzerttermine:

25.04.15 Berlin – Privatclub (mit The Elwins)
26.04.15 Hamburg – Knust (mit The Elwins)

Links:

Offizielle Webseite

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SomeVapourTrails

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