Mit zwei Ideen gen Europa – Marco Brosolo

Es sind zwei Ideen, die das Album Cadremo Feroci prägen. Zunächst hatte der Italiener Marco Brosolo den Einfall, Lyrik und Musik verschmelzen zu lassen, indem er sich daran machte, Poeme des friulanischen Dichters Federico Tavan zu vertonen. Danach folgte eine weitere Eingebung. Die Gedichte wurden in verschiedene Sprachen (Deutsch, Englisch und Französisch) übertragen und von Musikern und Sängern aus vielen Teilen Europas interpretiert. Aus dieser Konzeption entsteht ein im besten Sinne kollaboratives und länderübergreifendes Werk, das von Sprechgesang über Pop-Chanson noir und reflektivem Folk-Pop bis hin zu Downtempo-Balladen und Indie-Pop samt gelungener Crooner-Attitüde reicht. Mit all seinen Gästen – unter anderem dem Schlagzeuger von Einstürzende Neubauten – huldigt Brosolo einer Vielfalt, überwindet Sprachgrenzen, verkürzt Internationalität nicht nur auf den Gebrauch des Englischen. Cadremo Feroci hat beispielsweise Pensiero zu bieten. Es besticht dank reduziertem Hip-Hop-Pop mit Spoken-Word-Intermezzo und einer Portion Italo-Flair.  Ein flüchtiges Piano durchwirkt die vom Franzosen Dominique A angebotene Schwermut bei La pleine voix, während Parabola von Synthie-Schleiern und einem Schluckauf-Beat dominiert. Im Verlauf letzteren Songs tut sich eine kleine Pop-Fröhlichkeit auf, die ihn zum Highlight der Platte macht. Parabola wurde übrigens von Robert Lippok arrangiert, den man von dem Trio To Rococo Rot kennen könnte. Wäre ich normal entpuppt sich als romantischer, kompromisslos traumtänzerischer Deutschpop, vorgetragen von Toni Kater. Zu guter Letzt sorgt Brosolo nochmals für einen Akzent, indem er bei Albero die Crooner-Stimme von Bobby Solo mit einem eher unruhigen Indie-Pop zusammenspannt.

Cadremo Feroci kommt von weit her. Marco Brosolo holt die Lyrik Tavans aus der italienischen Provinz Friaul heraus, europäisiert sie so, dass sie auch in deutscher oder englischer Sprache zu berühren weiß. Nimmt weiters feine Musiker und Sängerinnen mit an Bord, die Worte und Gefühle in vielen Farben und Schattierungen malen. Aus einer Idee wird so ein vielstimmiges, vielseitiges, paneuropäisches Projekt, das seine Ambition nie bereuen muss. Diesem Kleinod sollte man unbedingt das Ohr leihen – womöglich sogar das Herz!

Cadremo-Feroci-A

Cadremo Feroci ist am 20.03.2015 auf Boing Boing Records erschienen.

Links:

Offizielle Homepage

Marco Brosolo auf Facebook

SomeVapourTrails

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.