Schlaglicht 12: She Keeps Bees

Das Dasein des interessierten Musikenthusiasten entpuppt sich als durchaus mühsam. Speziell bei einer Vorliebe für nicht dezidiert dem Mainstream huldigende Musik wird man von der Fülle überwältigt. Es ist wie auf einer Fete mit lauter feschen Menschen, wo man nicht weiß, mit wem man zuerst anbandeln soll. Und das netteste Lächeln, die schönsten Augen, die sich in einer Ecke des Zimmers verstecken, übersieht man vielleicht sogar ganz. Ein Stück weit ist es mir so mit dem Album Eight Houses von She Keeps Bees ergangen. Ich hatte es vor Veröffentlichung zwar auf dem Radar, aber irgendwie habe ich es dann in der Masse aus den Augen verloren. Mein Verlust. Denn Eight Houses entpuppt sich im Nachhinein als Platte zum Verlieben, getragen von der überwältigenden Stimme Jessica Larrabees. Ihre Intensität erinnert an eine Juliette Lewis oder PJ Harvey, sie wirkt so bluesig und hemdsärmelig einerseits und zart und nuanciert anderseits. Sie steht somit ganz in der Tradition mächtiger, selbstbestimmter, charismatischer Frauenstimmen, die ihre Weiblichkeit auch über Dynamik und Stärke definieren und eben nicht die eigene Fragilität bis zum Exzess überbetonen.

Der Pressetext zu Eight Houses attestiert dem Album, dass es in der rohen Kraft des Subtilen schwelgt. Und ja, exakt dieses Gefühl verspüre ich immer und immer mehr, wenn ich mir She Keeps Bees anhöre. In den letzten Jahre habe ich die Werke von Florence + the Machine, Sharon Van Etten oder Feist heiß und innig geliebt und auf gewisse Weise verinnerlicht diese Platte auch die besten Eigenschaften der genannten Künstlerinnen. Damit möchte ich Larrabee und ihren Kom­pa­g­non Andy LaPlant keinesfalls des Nachahmens bezichtigen. Eight Houses offenbart sich vielmehr als Werk, dass aus der gleichen emotionalen Verfasstheit und bisweilen konsequenten Widerborstigkeit gespeist scheint. Jeder Inhalt fällt hinter dem Wie der Worte zurück. Der skizzierte Stil wird zur substantiellen Botschaft. Als Hightlights erweisen sich der Bluesrock von Breezy, das sinistre Owl samt Bläserakzenten und ein sich Wüstenstaub von den Füßen wischendes, psychedelisch-herbes Both Sides. Darüber hinaus wäre noch das langsam glimmende, verhallte Wasichu sowie der martialisch anmutende Americana-Track Greasy Grass zu nennen. Und über allem thront Is What It Is, das auf den Millimeter genau an der Schnittstelle zwischen Florence Welch und Sharon Van Etten angesiedelt ist.

She Keeps Bees haben mit dieser Platte einen vorläufigen Karrierehöhepunkt erreicht, Larrabee ist in der ersten Garde eindrücklicher Frontfrauenstimmen angekommen. Auch wenn Eight Houses mittlerweile schon ein halbes Jahr auf dem Veröffentlichungsbuckel hat, somit eigentlich schon zu den Akten gelegt scheint, möchte ich es den Lesern gerade jetzt ans Herz legen. Um meinen Vergleich vom Beginn nochmals aufzugreifen: Wenn man auf einer Party dem Schicksal nicht begegnet ist, sollte man sich am Ende des Abends damit trösten, dass die nächste Fete und die damit verbundene nächste Chance früher oder später kommen wird. Im Falle von She Keeps Bees etwa böte sich die in Kürze startende Europa-Tour an!

EightHouses_cover

Eight Houses ist am 26.09.2014 auf BB*Island erschienen.

Konzerttermine:

25.04.2015 Offenbach – Hafen 2
26.04.2015 Berlin – Roter Salon
28.04.2015 Jena – Glashaus
29.04.2015 Basel (CH) – Parterre Club
30.04.2015 Lausane (CH) – Le Romandie
01.05.2015 St. Gallen (CH) – Palace
19.05.2015 Leipzig – UT Connewitz
20.05.2015 Regensburg – Alte Mälzerei
21.05.2015 Freiburg – The Great Räng Teng Teng
22.05.2015 Dortmund – Way Back When Festival
23.05.2015 Beverungen – Orange Blossom Special Festival
24.05.2015 Hamburg – About Songs Festival

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