Mit Schmackes kesslieblichfiebrig! – Er France

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Wie die Zeit vergeht! Vor mehr als 5 Jahren haben wir der Formation Er France erstmals auf unserem Blog applaudiert. 2010 hat die deutsch-französische Combo mit Pardon My French, Chéri! und dem wenig später erschienenen Livealbum Live At Open Source, Chéri! zwei wunderbare Platten voll Pfiff und Esprit veröffentlicht. Nach geschlagenen fünf Jahren gibt es nun endlich wieder ein Lebenszeichen zu vermelden. Das höchst gelungene neue Album The Great Escape lässt Bauklötze staunen. Neben dem stets markanten wie charmanten französischen Akzent von Sängerin Isabelle Frommer besticht dieses Mal eine Mischung aus großartigem Pop mit Achtziger-Note, Indie-Rock und ein bisschen Lo-Fi-Garage-Flair. Er France ist so eine Scheibe gelungen, die spritzig, frisch, schlichtweg unwiderstehlich unterhaltsam ausfällt. Die auf Anhieb imponiert, die sich auch nach dem einen oder anderen Hördurchlauf nicht abnutzt.

„Jeder Song eine Single“ gibt der Pressetext als Motto aus und dank der griffigen Melodien, der knackigen Riffs von André Tebbe und Frommers kesslieblichfiebrigem Vortrag steckt in jener Attitüde mehr Wahrheit als Wunsch. The Great Escape gelingt ein Pop, der über das gewisse Etwas verfügt, der nicht austauschbar wirkt. Schon der Opener New Lost Generation verfängt, lärmt und rumpelt – von fröhlichen Keyboard-Akkorden angestachelt – dahin. Er ruft zur Party auf, appelliert an eine Generation die zwischen Ablenkungen und Frustrationen schwankt. Demgegenüber versprüht Trapped Bird eine Schwüle, eine von der Flamme der Liebe ausgezehrte Atmosphäre. Zwischen diesen Polen ist The Great Escape angesiedelt, wobei die schmissigen Nummern wie etwas das vorlaute No Room For Make-Up zweifelsohne zu den Glanzstücken zählen. Ein trotziger Refrain wie „Hey, you, you’re not a not-yet-discovered genius, got it?/ You, hey, you’re not an untouchable superstar“ geht runter wie Öl. Nach diesem aufgekratzen Stück kommt mit Love Comes, Love Goes (Ellen’s Song) ein nicht minder starkes Lied, das nochmals unterstreicht, dass man Frommer nicht auf die kecke Französin, die mit aufreizendem Akzent auf Englisch singt, reduzieren sollte. Da ist durchaus eine Tiefe in der Emotion, eine Lebensweisheit wohl, die Schmerz wie Liebe kommen und gehen sieht. Frommer versteht zu sehnen, kleine Dramen mit jeder Faser auszuleben. So auch beim intensiven Le Pont Rouge in den Zeilen „Even if their eyes met/ And like a kiss it felt/ She pressed her lips against/ The misty window pane/ But he turned away“. Someone’s Gotta Go wiederum ist ein ausgebuffter Song. sogar eine absolute Wundertüte! Er komprimiert den Reiz, die Ideenvielfalt, den eigentümlichen Chic von Er France auf gut dreieinhalb Minuten. Die Band ist schlichtweg auf Zack, ohne jeglichen Schnickschnack sorgen Frommer (Keyboard), Tebbe (Gitarre), Andreas Simon (Bass) und Janosch Brenneisen (Drums) zusammen mit dem Produzenten Bodo Staiger für einen stets robusten wie kurzweiligen Indie-Sound. Von der lässigen Wucht von Boy You Should Cry könnten sich Bands rund um den Erdball eine Scheibe abschneiden. Und auch der rassige Punk-French-Pop von An Irresistible Idiot wäre zur Nachahmung empfohlen. Abermals ist der Refrain zum Niederknien: „I know, we live on borrowed time, it’s true/ But I don’t feel the urge/ I’m outta range close to you/ Mmmh, I follow you anyway„.  Gegen Ende der Platte lassen Er France noch immer nicht nach. Carousels etwa zwinkert mit Riffs vom Schlage von Status Quo zu ihren besten Zeiten entgegen. Wer dieser launigen Hommage an mindestens 40 Jahre Musikgeschichte – Stichwort: Dancing In The Dark – nicht Sympathie entgegenbringt, ist mit Humorlosigkeit oder Unwissenheit geschlagen.  Ich liebe diesen Track! Zum Abschluss schließlich wird es bei Not Even Wrong nochmals mit Schmackes undergroundig-rockig, Headbanging inklusive.

Zugegeben, eine Band aus Düsseldorf ist vielleicht nicht besonders hip und angesagt. Und ja, eine Formation, die schon mehr als ein Jahrzehnt herumwerkt, scheint nicht gerade für den großen Durchbruch prädestiniert. Ich finde Er France trotzdem allererste Sahne. Weil so Musik klingt, die nicht langweilt, die sich nicht aufplustert, die fast altmodisch einfach Stimmung machen und Spaß am Spiel haben möchte. Mit The Great Escape hat sich die Band dauerhaft einen vorderen Platz in meiner Plattensammlung gesichert. Ich hoffe sehr, man folgt meinem Beispiel!

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The Great Escape ist am 29.05.2015 auf 3Klang Records erschienen.

Links:

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