Regional ist besser 4: Feverdreamt

Krautrock mit orientalischer Note, fabriziert in Berlin. Das klingt spannend, allerdings auch schräg, sodass man beim ersten Hören des Albums Terban Te Ban darüber staunt, wie dezent und klischeefrei hier zu Werke geschritten wird. Das Projekt Feverdreamt ist nämlich keine typische Crossover-Ausgeburt, es offeriert vielmehr einen im Schwelgen, im Gedanken begriffenen Sound, einen Mix aus psychedelischen Elementen, Post-Rock, Drone und Ambient. Und über all dieses wird ein mit Fortdauer des Werks immer stärker hervortretender, exotischer Gesang der Marke selbst ertüfteltes Wüsten-Esperanto gelegt. Obwohl – besser: gerade weil – diese Musik flüchtig und schwer greifbar wirkt, dem Bandnamen somit sehr gerecht wird, ruht in ihr ein mitunter meditativer Charakter. Zhudan Zhudal etwa erwächst zu einem fast zwölfminütigen Traum, dessen Verschachteltheit an ein Labyrinth erinnert. Der Sound drängt vorwärts, nur um den Kreis zu schließen und wieder an den Ausgangspunkt zurückzukehren. Es mutet wie ein Drogentrip unter einer mit Sand gefüllten Glasglocke an. Laxmadan Tu wiederum hängt im Vortrag morgenländischer Melancholie nach, eine sachte, in Chiffren dampfende Schwere liegt über diesem Track. Yodan Fu verlagert sich endgültig in einen sich dahinschleppenden Wachdämmer. Diese Musik in jenem Zustand wimmernder Trance hat mich schon längst um den Finger gewickelt. Weil sie wunderbar zu täuschen weiß, eine eigene, im Grunde ok­zi­dentale Fantasie eines von archaischer Schönheit beseelten Nahen Ostens entfaltet. All die Exotik trägt die Sehnsucht an geträumte Fremde in sich. Auch deshalb könnte der Name dieses Projekts nicht besser gewählt sein. Feverdreamt kreiert Mal für Mal eine Fata Morgana, die flackert, flirrt und flimmert. Das epische Antrebax Nox steht in bester Kraut-Tradition, es wirkt hypnotisch, lullt ein, spornt die Vorstellungskraft an. Es erschafft eine in Cinemascope getauchte Weite samt unruhigem Horizont.

Dieses Album transzendiert per Imagination über Berliner Wirklichkeit hinaus. Terban Te Ban knüpft an eine Tradition an, die im heutigen Global Village fast verloren gegangen ist. Im heimischen Wohnzimmer und Aufnahmestudio zimmert es sich Sehnsuchtsorte zurecht, bastelt an Vorstellungen fernab der Realität. Es fantasiert anstatt nachzubilden. Feverdreamt ist dank dieser Gabe ein faszinierendes Album gelungen. Krautrock mit orientalischer Note, fabriziert in Berlin. Crossover-Klischee? Denkste!

TerbanTeBan

Terban Te Ban ist am 10.04.2015 auf Blackjack Illuminist erschienen.

SomeVapourTrails

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