Schlaglicht 16: Mammút

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Bei isländischer Musik muss man gar nicht lange über Qualität nachgrübeln, sie ist in der überwältigenden Zahl der Fälle mehr als nur vorhanden. Bei Klängen von dieser Insel stellt sich eher schon die Frage, ob jener Künstler, jene Musikerin oder auch jene Band vielleicht sogar in die Fußstapfen einer Björk oder von Sigur Rós treten kann. Sich im Indie-Bereich einen Namen machen ist eine Sache, zu den herausragenden Acts einer Epoche zu zählen, das ist freilich eine andere Hausnummer. Bei der Formation Mammút aus Reykjavík – woher aus sonst? – bin ich noch am Grübeln. Diese 3 Frauen und 2 Männer zählende Band darf man eigentlich nicht als Newcomer bezeichnen, schließlich existiert sie schon seit über 10 Jahren, veröffentlichte bereits 3 Alben. Alexandra Baldursdóttir, Andri Bjartur Jakobsson, Arnar Pétursson, Ása Dýradóttir und Katrína Mogensen haben auch schon einige nationale Weihen erhalten. Nun freilich wollen sie am großen Rad drehen, haben ihre erste EP in englischer Sprache aufgenommen. River’s End ist melodischer wie intensiver Indie-Rock mit Post-Punk-Finesse, der durch Mogensens oft geradezu aufopfernden, poppigen Gesang immens gewinnt. Eigentlich bringt es die Kurzbeschreibung auf der Facebook-Seite der Band auf den Punkt: „Mammút craft distorted and beautiful lullabies while maintaining a solid grasp on melody and an eternally independent spirit.“. Es erscheint mir ein echtes Alleinstellungsmerkmal, wenn eine Band eine feenhafte, entwirklichte Melodik mit Aufgewühltheit und Eruptionen kombiniert. Der Song Salt ist mehr Mär denn Märchen, auf alle Fälle dramatischer Power-Pop der besten Sorte. Fast ebenso gut fällt der Indie-Rock von Bakkus aus, auch Blood Burst ist im Refrain eine Ohrenweide. Wenn Mogensen atemlos nach hohen Tönen schnappt, kommt ihre ganze Anziehungskraft zum Tragen.

Ob es bei Mammút für die großen internationalen Erfolge langt, vermag ich noch nicht einzuschätzen. River’s End unterstreicht jedoch, dass der Wechsel zu englischen Texten kein Fall übersteigerter Ambition war. Female-Fronted Rockbands mag es mittlerweile wie Sand am Meer geben, von diesem ausdruckkräftigen Kaliber sind jedoch die wenigsten. Ich für meinen Teil halte die Daumen und hoffe, dass dieser EP in Bälde ein Album folgt. Übrigens, in den nächsten Monaten sind Mammút auch in Deutschland zu Gast.

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River’s End ist am 29.05.2015 auf Bella Union erschienen.

Konzerttermine:

14.08.2015 Rees – Haldern Pop Festival
15.08.2015 Hamburg – Manifest
24.09.2015 Hamburg – Reeperbahn Festival

Links:

Offizielle Homepage

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