So stylish wie nötig, so undergroundig wie möglich – Icky Blossoms

Das Trio Icky Blossoms ist eine Art Electro-Pop-Indie-Rock-Hybrid aus dem doch recht beschaulichen Omaha im US-Bundesstaat Nebraska. Aus musikalischer Sicht ist Omaha allerdings ein Hotspot, was nicht zuletzt am tollen Indie-Label Saddle Creek liegt. Natürlich sind auch Icky Blossoms bei diesem Label angedockt. Dieser Tage wird mit Mask ihr zweites Album veröffentlicht. Mir scheint die Mischung aus herbem E-Tanz-Pop und wuselndem, superlärmigem Gitarren-Sound bei einigen Tracks sehr, sehr gelungen. Zumindest wenn man Hyperaktivität präferiert.

Icky Blossoms klingen verdammt nach dem von einem gewissen Hype dominierten Lebensgefühl, wie man es schon seit mehreren Jahren aus Brooklyn vorgesetzt bekommt. Das Trio macht Songs für die Indie-Party-People, die es ein bisschen gesteltzt und ein wenig krawallig und gerne mit Synthies angedunkelt mögen, in all der atmosphärischen Power aber auch einer Erwartbarkeit huldigen. Mask ist eine Scheibe für die Faszination und Emotion des Moments. Sie funktioniert als Amalgam aller Jugendkulturen, die sich in den letzten 30 Jahren in den Clubs getummelt haben. Zu den Highlights des Album zählt Phantasmagoria, ein kunterbunter Indie-Rock-Track voll Verve. Ebenbürtig – dieses Mal jedoch in einem Synthie-Pop-Nebel wabernd – fällt das wavige, in funkelndem Chrome gehalte Away From You aus. Want You So Bad tendiert gen Dream-Pop, gehört zu den getrageneren Stücken der Platte. Doch im Kern bleibt Mask eine robuste, wuselige Platte, die bei einem Song wie Silver Tongue auch schon mal aggressiv drauflosflippert, während unterschwellig ein Schauermärchen abläuft. Das angepunkte Terror Nothing mit seinem Western-Einschlag reitet – besser: galoppiert – schließlich in ein irrlichterndes Ende.

Icky Blossoms sind so stylish wie nötig und so abstrus-undergroundig wie möglich. Mask dringt vor allem übers leidenschaftliche Spiel und über den ab und an hervorblinzelnden Übermut in die Gehörgänge. Das Trio aus Nebraska stehen weniger für Finesse und große Kompositionen, viel mehr für hemdsärmelige Lust am Experiment mit Tendenz zur Sause. Zumindest aber prolongiert Mask einen Lauf: Das Label Saddle Creek hat seit gefühlten Dekaden schon keine langweilige Platte unters Volk gebracht!

ickyblossoms_mask

Mask ist am 15.05.2015 auf Saddle Creek erschienen.

Links:

Offizielle Homepage

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