Sonnenbrillenpflichtig – Superfjord

Jetzt schiebe ich es schon ein paar Wochen auf, heute will ich aber den Lesern ein wirklich tolles Album ans Herz legen, das zwar schon ein Jahr auf dem Buckel hat, aber meines Erachtens ein veritables Meisterwerk darstellt. Darauf gestoßen bin ich bei Eva-Marias Polarblog, einer Instanz in Sachen skandinavischer Klänge. Die Formation, von der ich erzählen will, kommt aus Finnland und nennt sich Superfjord. Laut Eigendefinition huldigen sie psychedelischer Musik und Jazzrock, kreieren „Music to hear colours to“. Oh ja, ihr Album It Is Dark, But I Have This Jewel ist tatsächlich sonnenbrillenpflichtig. Gegen diesen Farbrausch wirkt LSD geradezu sepiafarben. Superfjord sind eine Combo, die im fröhlichen Jam brilliert und großartigen Fusion fabriziert (The Great Vehicle), die auch ihre Reverenz gegenüber einem Genie erweist (A Love Supreme) und quasi als Draufgabe ein Talent zu atmosphärischer Versenkung, zu nachgerade augenzwinkernder Entrückung besitzt (I Seem To Have Forgotten What We Were Talking About).

It Is Dark, But I Have This Jewel ist eine Platte, die auf jeder besseren Dopingliste auftauchen sollte. Sie begeistert als lässiges Werk, welches der Drögheit des Seins Endorphine vor den Latz knallt. Jene wunderbare Mischung aus Kreativität, Temperament und Spielwitz entwickelt sich zu einem Triumph der Musik über die Last des Augenblicks, lebt im behaglichen Rausch, im Taumel milder Euphorie. Wir haben es hier mit einem Sound zu tun, der so sonnig klingt, wie Kalifornien gerne wäre, so weit tönt, dass es durch sämtliche Galaxien hallt, und dazu noch relaxte Mantras auspackt, dass die Chakren nur so dampfen. La Locura / Tonttumauste etwa kommt dem nahe, was man sich unter musikalischem Dadaismus vorstellen darf, wenn zwei Gesangsstränge – einander davon mutet rückwärts abgespielt an – einander quasi sabotieren, einen perfekten Widerspruch erzeugen und somit kakophonisch harmonieren. Und das bereits erwähnte The Great Vehicle exerziert uns unterhaltsamsten Groove vor, der zu Halbzeit von einer großartigen, aufgeregt schimpfenden und keifenden Bläsereinlage akzentuiert wird. Wie das Intro von Mai Huli’oe I Kokua O Ke Kai einen Beat mit Retro-Rock kombiniert, wie solch Leichtigkeit ins Experiment driftet und just in dem Moment, da alle Instrumente zueinanderfinden, der freudige Track mittels Piano richtiggehend dekonstruiert wird, zählt ebenfalls zu starken Momenten einer überwältigenden Platte. Auch die angenehm dahinschwelgenden, in Raum und Zeit aufgehenden Nummern The Chandrasekhar Limit und I Seem To Have Forgotten What We Were Talking About möchte ich nicht missen. In diesen sphärischen Passagen der Platte keimen Wonnegefühle. Es sind die stoischen, tiefenentspannten Gegenstücke zu der Dynamik und all den Überraschungen, die dieses Album prägen.

Superfjord ist ein überwältigendes Debüt gelungen. It Is Dark, But I Have This Jewel verkörpert alle Tugenden des Genres. All das, was Fusion einst groß gemacht hat, wird auf moderne Art und Weise gehegt, gepflegt – und um Electronica erweitert. Ich habe in den letzten 12 Monaten viele tolle Platten erlauscht, so unterhaltsam und inspirierend wie diese waren jedoch die allerwenigsten. „Music to hear colours to“ – das Motto der Band könnte in der Tat zutreffender nicht sein. So bunt, so hell, so wundervoll!

superfjord_cover

It Is Dark, But I Have This Jewel ist am 16.05.2014 auf Suomen Musiikki erschienen.

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SomeVapourTrails

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