Soul für zarte Seelen – Barbarossa

In den letzten Jahren habe ich bereits mehrfach über Barbarossa geschrieben. Hinter diesem sehr aussagekräftigen Decknamen verbergen sich der Londoner James Mathé und sein Faible für melancholischen Electro-Soul. Barbarossa steht für gefühlsversunkene Zärtlichkeit, die von Electro-Pop oder feingesponnener Electronica ummantelt wird. Nun gilt es also, sein neues Werk Imager zu würdigen. Herr Rotbart hat nämlich wieder sehr vieles richtig gemacht, eine ätherische-soulige Stimmung aus dem Hut gezaubert, die bei eingehender Betrachtung ausnehmend gefällig tönt, richtiggehend verfängt. Mathé schenkt dem Soul eine rare Behutsamkeit.

Zu den Highlights des Albums zählt fraglos Home, ein Duett mit dem begnadeten José Gonzales. Home gelingt in seiner versonnenen Hingabe, im friedlichen Glücksgefühl geradezu perfekt. Mehr gedämpftes Schlafzimmerlicht als in diesem Track wird man im Indie-Bereich schwerlich finden. Solid Soul gehört ebenso zu den Glanzlichtern. Zunächst sind nur Gesang und ein minimalistisches Keyboard am Start, ehe dann Beat und Synthie-Flitter einsetzen. Auch hier herrscht eine geradezu kammerspielartige Atmosphäre vor, sie manifestiert eine Musik für die Intimität später Abende. Settle hingegen besticht mit Sci-Fi-Electronica, fällt spacig aus, ohne dabei jedoch auf jenes irdische Sehnen zu verzichten, welches Barbarossas weicher Gesang stets ausstrahlt. Die Zeile „No one in the world deserves pain“ lässt bei Dark Hopes ein weiteres Motiv dieser Platte hervortreten. Barbarossa neigt zur Harmonie, zum bescheidenen Wunsch nach Glück. Hinter Mathés oft gedeckte Vortrag steckt vielfach eine herzerreißende Sehnsucht nach Teilhabe. Sein musikalisches Ich fühlt sich von den Dingen rundherum eingeschüchtert – und will dieses Unbehagen überwinden. Silent Island ist noch so ein göttlicher Track, der resigniert („This city holds no beauty for me„) und zugleich Erlösung sucht („Heaven will call„). Mathés samtenes Schmachten wird hier poppig unterlegt, das Resultat ist einerseits radiotauglich andererseits aber angenehm dezent, nie und nimmer überkandidelt. Das nervöse, mit R&B-Flair ausgestattete Human Feel bringt Barbarossa letztlich sogar in die Nähe einer Tanzfläche. Man staunt.

Imager ist ein Album, das so behutsam erlauscht werden möchte, wie es eben auch vorgetragen wird. Große Soul-Gesten oder aufdringliche Electro-Pop-Hooklines wird man vergeblich suchen. Barbarossa bietet vielmehr einen Sound für wehmütige, lauschige Abendstunden an. Die Platte wartet mit einer in Seide und Satin gekleideten Stimmung auf, zu der sich das eine oder andere Tränchen verdrücken und zu der sich aber auch manch kuschelige Fantasie erträumen lässt. So klingt Soul für zarte Seelen!

Imager_cover

Imager ist am 15.05.2015 auf Memphis Industries erschienen.

Konzerttermin:

16.06.2015 Berlin – Berghain Kantine

Links:

Offizielle Homepage

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