Einer zeitlosen Plattensammlung entnommen – Brian Lopez

Heute möchte ich kurz ein Album namens Static Noise erwähnen, dass mir allein schon deshalb gefallen hat, weil es klassisches, vielseitiges Singer-Songwritertum verkörpert. Der Pressetext bringt es wunderbar auf den Punkt,  wenn auf die Crooner-Ära eines Roy Orbison und auf die Melancholie eines Jeff Buckley referenziert wird. Dem US-Amerikaner Brian Lopez ist ein sehr einnehmendes Werk gelungen, dass in seinen besten Momenten schlicht einer reifen Plattensammlung entnommen scheint. All den Tracks ist eine große Zärtlichkeit im Vortrag eigen, sogar wenn Lopez ins Falsett wechselt, wohnt diesem ein warmer Schimmer inne.

Bereits der Opener Mercury In Retrograde weht gleich einer sachten Brise, die mit den Sandkörnern in der Wüste spielt. Zunächst wuselt und lärmt der Song psychedelisch, ehe er im Verlauf traumtänzelnd durch ein sonnenfädiges Meer gleitet. Modern Man ist pfiffiger Jangle-Pop samt Western-Flair, auch der streicherselige, bittersüß-balladeske Schleicher Wrong Or Right lässt die Patina der Sixties hochleben. Glass House entwirft ein heißblütiges und wunderbar instrumentiertes Latin-Ambiente. Und dieser vielfältige Reigen geht munter weiter. Beim edlen, bluesigen When I Was A Mountain übertrifft sich Lopez selbst. Klage und Flehen verleihen dem Lied geradezu biblische Schwere („Oh Lord, look after my children/ Give them shelter/ Please keep them brave„), von fern marschieren Mariachi-Trompeten durch die Szenerie. Wie bewegend! Das folgende She’s Not There lockert die Atmosphäre gleich wieder auf. Dieses Cover des durch The Zombies bekannt gewordenen und seitdem vielfach interpretierten Songs zählt fraglos zu den besten Versionen. College Rock meets Swinging Sixties, dazu wird die Chose einmal mehr psychedelisch verbrämt. Für einen erneuten Kontrapunkt sorgt der als Piano-Ballade angelegte Titeltrack Static Noise, der Lopez als sensiblen, schmachtenden Crooner schillern lässt. Und auch das nächste Lied kommt unerwartet um die Ecke. Crossfire Cries tönt in der Strophe countryhaft, während es im Refrain zu überraschend lärmigem Rock umschwenkt. Wüsten-Americana hält der nächste Titel, World Unknown nämlich, bereit. In diesem eher dunklen Lied wirkt das Funkeln des gelegentlichen Falsett besonders gut. Lopez‘ Vortrag muss, muss, muss man gehört haben, er ist berückend! Nochmals vollzieht der Musiker aus Tucson, Arizona einen Schlenker, diesmal in Richtung Rockabilly. I Don’t funktioniert als ausgesprochen launige Nummer, markiert das eine Ende des musikalischen Spektrums, während das nachdenkliche, folkig-ergreifende Kleinod Persephone das andere Ende markiert. Mit dem Lullaby Goodnight findet die Platte schließlich ihren beschwörerischen, zugleich schunkelnden Abschluss.

Static Noise entzückt als zeitloses Singer-Songwriter-Meisterwerk, das Ideen und Sentimente mit viel, viel Liebe umsetzt. Brian Lopez ist somit das gelungen, wovon viele Musiker insgeheim träumen. Eine Loslösung von Zeitgeistigkeit, ohne dabei zum billigen Abklatsch des Althergebrachten zu verkommen. „An dem Prachtstück des phantasievollen Lockenschopfs dürften viele Menschen noch ihre helle Freude haben“ orakelt der Pressetext. Und ja, das wünsche ich diesem Album von ganzem Herzen.

staticnoise_cover

Static Noise ist am 17.04.2015 auf IMG India Records erschienen.

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