Ein Treffen der Temperamente – Monoswezi

Die Prämisse ist bewährt und nie aus der Mode. Das Aufeinanderprallen von Gegensätzen funktioniert immer. Da wäre zum einen eine quirlige afrikanische Lebensfreude voller Traditionen, zum anderen nüchterne skandinavische Coolness im Hier und Jetzt. Aus jener Verschiedenheit heraus bezieht die Formation Monoswezi ihren musikalischen Ansatz. Sogar der Name der Band spielt auf die verschiedenen Herkunftsländer an. Die Buchstaben Mo stehen für Mosambik, No für Norwegen, Swe ist das englische Länderkürzel für Schweden und Zi verweist ebenfalls auf die englische Schriftweise von Simbabwe. Monoswezi machen aus ihrer Intention also wirklich kein Hehl. Und dieser ehrliche, schnörkellose Zugang trägt bei der Platte Monoswezi Yanga Früchte. Die Folkore Südostafrikas trifft auf nordeuropäische Jazz-Vorlieben. Aus diesem Spannungsfeld heraus entsteht ein sehr klischeearmes, unverkramptftes Crossover-Album, bei dem sich Kulturkreise auf Augenhöhe begegnen.

Ein Garant für das Gelingen des Werk ist wohl der Vortrag von Hope Masike. Ihr Gesang wirkt angenehm zurückhaltend, schön erzählerisch. Masike kommt nicht über die überbordende Emotion, ihre Eindringlichkeit tritt erst bei genauerem Hinhören hervor. Masikes filigrane, unheimlich ansprechend feminine Stimme fungiert als Bindeglied zwischen lebendigen afrikanischen Rhythmen und den sinnierenden Improvisationen europäischer Prägung. Bei Povo m’povo wird die exotische Nonchalance durch ein geradezu suchendes Saxofon kontrastiert, in diese Atmosphäre hinein ragt ihr Gesang, lässig und charmant. Ähnliches gilt für das leichtfüßige Matatya. Ob die Band Traditionals neu arrangiert, wie bei Povo m’povo der Fall, oder aber Masike ein Lied wie eben Matatya schreibt, alle eint diese sehr warme Dynamik aus afrikanischen Instrumenten wie Mbira oder Marimba und dem reflektiven Spiel Hallvard Godals, der für Saxofon und Klarinette verantwortlich zeichnet. Matatya wird in den Liner Notes als „a plea for a new lover from a young girl tired of ‚kissing frogs'“ bezeichnet. Das kann man tatsächlich so zärtlich und unpathetisch vorbringen? Im Pop müsste jede Strophe mindestens für einen Taschentuchschneuzer herhalten. Bei Naku Xuva greift Calu Tsemane zum Mikro, sein gedrückter Ausdruck gibt Monoswezi einen völlig neuen Dreh. In diesem ernsten Moment macht sich andächtige Gedämpftheit breit. Auch ohne textliches Verständnis tritt hier eine Trauer hervor. Naku Xuva verleiht dem Werk zusätzliches Gewicht, emanzipiert sich für 6 Minuten von der überragenden Hope Masike. Lobola zählt zu den Stücken, die auch nicht unerwähnt bleiben sollten. Weil die Sängerin mit Anmut und Souveränität über Instrumente und Backing-Stimmen drübertänzelt. Die eingangs beschriebene Prämisse in den Hintergrund treten zu lassen, die Faszination, die vom Aufeinandertreffen von Mbira von Saxofon ausgeht, noch zu steigern, finde ich eine starke Leistung. Gegen Ende der Platte findet sich mit Mhondoro noch das Lied, welches mir besonders gefällt. Für einmal ist der Rhythmus schroffer gehalten, wirkt weniger leichtfüßig, erinnert mehr an rituellen Tanz. Der Zwiegesang von Tsemane und Masike stellt sich hervorragend dar, subtil leidenschaftlich. Umso erstaunter war ich, als ich gelesen habe, dass Mhondoro als Appell zum Umweltschutz zu verstehen ist. Es gerät fraglos zum stimmigsten Track, der sehr wenig mäandert, stets stark auf die hypnotische Percussion fokussiert bleibt.

Was Masike, Tsemane, Godal, Putte Johander (Bass) und Erik Nylander (Drums, Harmonica, Harmonium) als Monoswezi vollführen, unterscheidet sich durchaus von herkömmlichen Crossover-Projekten. Wo Crossover gern auf einen gemeinsamen Nenner kommt, unterstreicht die Band hier die Unterschiedlichkeit. Bei diesem Treffen der Temperamente wird nicht alles in einen Topf geworfen und der Deckel darauf gegeben. Hier köcheln unterschiedliche Zutaten in verschiedenen Pfannen und Pötten, während die Düfte ganz allmählich und sacht in einander verschweben. Je länger ich darüber nachdenke, desto eher meine ich, dass dies das Geheimnis von Monoswezi Yanga ist.

Monoswezi-Monoswezi-Yanga-Cover

Monoswezi Yanga ist am 26.06.2015 auf Riverboat Records erschienen.

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