Schatzkästchen 22: Paul van Eersel – Du temps

Folk Afro-Belge hat sich der in Paris ansässige Musiker Paul van Eersel auf seine Fahne geschrieben. Und warum zum Teufel soll die koloniale Vergangenheit Europas, die bei genauerer Betrachtung bis heute politische und gesellschaftliche Auswirkungen zeitigt, mit denen Unterdrückte wie Kolonialmächte bis heute zu kämpfen haben, warum also soll sich dies nicht auch in der Musik widerspiegeln? Weshalb soll jene Aufarbeitung immer von afrikanischen Musikern, die Tradition mit westlichen Einflüssen verbinden, geleistet werden? Im Falle von van Eersel läuft die Chose einmal andersrum. Du temps gefällt als bezaubernde kleine Folk-Nummer mit afrikanischem Flair. Zusammen mit der Sängerin Stella Zekri gelingt van Eersel ein Kleinod, dem jeder Ethno-Kitsch fremd ist. Du temps ist wahrlich nicht politisch zu verstehen, außer in der Hinsicht, dass es auch einem europäischen Musiker gut zu Gesicht steht, dann und wann nach Afrika zu schielen. Fast bedauere ich nun, das Thema Kolonialismus aufs Tapet gebracht zu haben. Weil dieser Mischung aus Chanson und afrikanischer Klängen somit eine unnötig große Bürde aufgehalst wird. Man lasse es mich also so formulieren: Wer ein exotisch liebliches, sacht beschwingtes Lied hören möchte, wird von Du temps entzückt sein. Übrigens: Paul van Eersels Debüt La Maison ist für September angekündigt. (via Filles Sourire)

Link:

Paul van Eersel auf Facebook

SomeVapourTrails

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.