Blogger für Flüchtlinge – Menschen für Menschen

Photo Credit: David De Groot
Photo Credit: David De Groot

Was wäre Hollywood ohne Flüchtlinge?

Die Antwort ist verblüffend einfach, für manche der Filmgeschichte-Unkundige vielleicht auch nur verblüffend. Hollywood wäre ein Ortsname wie viele abertausende anderer Ortsnamen. Vielleicht stünden da auch ein paar Filmstudios in der Gegend rum, nur eines wäre Hollywood ohne Flüchtlinge nie geworden: Der Mythos schlechthin, die weltdominierende Traumfabrik. Zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts war Babelsberg das Epizentrum der Filmwelt. Grandios und innovativ. Hier entstanden Meilensteine wie Fritz Langs Metropolis, hier wurden von Ernst Lubitsch und Billy Wilder Komödien gedreht, die noch heute wegweisend sind und innovativer und lustiger als 99 % der heutigen deutschen Film- und Fernsehunterhaltung. Alle drei flüchteten zusammen mit anderen Stars wie Marlene Dietrich und Josef von Sternberg. Das NS-Regime vertrieb sie aus Deutschland. Ohne diesen Exodus wäre Hollywood nie zu dem geworden, was es heute ist. In meiner Schulzeit  wurden das Dritte Reich und die Judenverfolgung in zahlreichen Schulfächern behandelt, jedoch wurde zu keiner Zeit daraufhin gewiesen, welchen Schaden die Nazis unserer eigenen Kultur zugefügt haben, indem die kulturelle Elite ermordet und vertriebe wurde. Flüchtlinge sind immer auch ein Gewinn, zumindest für das Land, welches sie aufzunehmen und zu schätzen weiß.

 

Living like a refugee

Wie wichtig das Asyl für das Überleben von Kultur ist, zeigt auch die Geschichte der Sierra Leone’s Refugee All Stars. Wie viele andere Menschen flüchteten die Musiker in den  Neunzigern aus Sierra Leone vor dem Bürgerkrieg nach Guinea. In einem der Flüchtlingscamps dort lernten sich kennen und formierten die Sierra Leone’s Refugee All Stars, die nach Ende des Bürgerkriegs wieder in die Hauptstadt Freetown zurückkehrten. Das 2004 erschienene Debütalbum Living Like A Refugee fand international bei Liebhabern der Worldmusic großen Anklang. Mein Liebster und Co-Blogger hat die Band und ihr neuestes Album Libation schon im vergangenen Jahr auf Lie In The Sound vorgestellt. Wichtig ist dem Künstlerkollektiv, dass sie ebenso wie alle anderen Flüchtlinge nicht nur als arme Opfer und Hilfempfänger gesehen werden. Raus aus der Stigmatisierung ist das Motto des neuesten Projekts The Long Road. Zusammen mit anderen Musikern und dem Roten Kreuz Großbritanniens arbeiten die Sierra Leone’s Refugee All Stars an einem Konzeptalbum, welches die Geschichten von Flüchtlingen in den UK erzählt und Licht auf die Bereicherung der Gesellschaft durch die Einwanderer wirft.

The album, entitled The Long Road, will be produced by Ethan Johns, one of Britain’s top producers who has previously worked with artists such as Paul McCartney, Kaiser Chiefs, and Crosby, Stills and Nash.  For the album, each artist will pair with a refugee to the UK to find a way to tell his or her story.  This album announcement is part of the Red Cross Refugee Week, and is cited as an effort to reduce stigma surrounding refugees and asylum seekers, and to highlight their positive contributions to society.  You can read more about it at the British Red Cross website, here.

 

Warum über Kultur reden, wenn doch die Not so groß ist?

Die Aktion Blogger für Blogger – Menschen für Menschen wurde ins Leben gerufen um Spenden für Moabit hilft! zu sammeln und die Humanitäre Katastrophe vor dem LaGeSo zu lindern. Dass ich hier auf unserem Blog nun über Kultur rede, hat wirklich nichts und doch alles damit zu tun, dass wir ein Musikblog sind. Flüchtlinge zu reinen Hilfsempfängern zu degradieren, beraubt uns nicht nur der Chance selber reicher zu werden, es spielt auch den vielen Rassisten in die Hände. Als die Nationalsozialisten die Juden ermordeten und vertrieben, ging es nie nur um eine andere, nicht-arische Rasse, es ging vor allem um die Angst vor Intellekt und Kultur. Auch heute ist die Schnittmenge zwischen Neo-Nazis und „GEZ-Mafia-Hassern“ erschreckend groß. Alles, was über dem Niveau von Bachelor und Schwiegertochter gesucht liegt, scheint verdächtig. Grün-links-verfilzte Lügenpresse, Systemmedien-Progaganda. Da wird die harmlose Doku über Geysire in Island zum Attentat auf die Geldbeutel der besorgten Bürger. Der illegale Download von Kultur, allen voran Filme und Musik, wurde schon vor Jahren zur Robin Hood-Heldentat erkoren. Opposition zur Kultur und Verachtung von vermeintlichen Eliten ist freilich nur ein Symptom. Die Ursache dafür liegt auch im gnadenlosen Neoliberalismus begründet. Wer arm ist, ist einfach nur zu dumm, um Geld zu verdienen, also selbst schuld. Dieser Grundsatz wird heute noch gebetsmühlenartig von den Politikern der bürgerlichen Partein wiederholt. Die Schere bei den Einkommen klafft immer weiter auseinander. Der Hass eines radikalisierten Teils der Abgehängten richtet sich gegen „die da oben“ und gegen alles, was intellektuell erscheint. Die Gewalt gegen Ausländer und Deutsche mit Migrationshintergrund ist dort am heftigsten, wo die Landflucht am stärksten ist. In vielen Ostprovinzen gibt es einen deutlichen Männerüberschuß, ein frustrierter Haufen zurückgelassener weitestgehend Bildungsferner.

Dass jetzt aus Syrien viele Menschen mit Studienabschluss kommen, die binnen kürzester Zeit besser bezahlte Jobs antreten könnten als der „gemeine Michel“, genau dies ist die größte Angst der Hass-versprühenden Massen. Kleiden wir uns also nicht vorschnell ins Gewand des heiligen Samariters. Nothilfe jetzt!: JA !!! Aber bitte lasst uns das politisch und sozial motivierte Refugees Welcome, möglichst schnell in ein von Herzen kommendes Schön, dass ihr hier seid transformieren.

Schöne Dinge und Kultur für, von und mit Flüchtlingen findet ihr hier:

MUANANAWunderschöne Siedruckarbeiten, gefertigt von Lampedusa Flüchtlingen, die zum größten Teil zu den ehemaligen Bewohnern des Refugee-Protestcamps auf dem Oranienplatz gehören. In unregelmäßigen Abständen gibt es offene Siebdruck-Werkstätten. Die kunstvollen Taschen, T-shirt und Accessoires findet ihr auch auf dem Flohmarkt am Maybach Ufer (Kreuzberg) und in ausgewählten Geschäftten. Schaut einfach auf der MUANANA-Facebookseite vorbei.

Creation not Frustration – Auch hier findet ihr tolle bedruckte T-Shirts und Taschen. Samstags könnt ihr von 15 bis 20 Uhr im Näh- und Werkstudio mitwerkeln. Wenn ihr nicht in Berlin lebt, schaut einfach im Online-Shop vorbei. Mehr Infos gibt’s hier.

Über den Tellerrand kochen – Leckere und authentische Gerichte findet ihr im Kochbuch von Über den Tellerand kochen. Hier stellen Flüchtlinge aus unterschiedlichen Ländern ihre Lieblingsgerichte vor. Wenn ihr in Berlin wohnt, könnt ihr an einem der Kochkurse teilnehmen oder euch in einem der angegliederten Projekte einbringen. Einen genauen Überblick über die vielfältigen Aktivitäten bietet die Homepage der Initiative.

Zeit, Geld und nützliche Dinge spenden:

Netzwerk „Berlin Hilft“ – Noch im Aufbau, aber schon sehr informativ ist die Webseite des Netzwerks „Berlin Hilft“, hier findet ihr einen Überblick über die vielen Hilfsangebote für Flüchtlinge und Links zu den Bedarfslisten der einzelnen Initiativen. Auf Facebook könnt ihr euch in der Gruppe Netzwerk „Berlin Hilft“  informieren.

Wie kann ich helfen? – Auf dieser Seite werden bundesweit Initiativen gelistet, die sich für Flüchtlinge einsetzen: wie-kann-ich-helfen.info

 

last but not least…

Blogger für Flüchtlinge

Blogger für Flüchtlinge ist eine Initiative von Nico Lumma, Stevan PaulKarla Paul und Paul Huizing, die nichts anderes macht, als Spenden zu sammeln und diese dem Verein Moabit hilft zukommen lässt. Nach Rücksprache mit dem Verein heute morgen ist es vor allem Geld das fehlt. Wir bitten Euch um folgendes:

1. Wenn du Blogger/in, Vlogger/in oder Podcaster/in bist, schreibe oder sprich zur Flüchtlingssituation. Sage warum es wichtig ist, dass wir uns alle um die Flüchtlinge kümmern. Verweise auf diese Spendensammlung, die “Moabit hilft” zu Gute kommt. Nutzt den Hashtag #BloggerFuerFluechtlinge.

2. Alle anderen: Nutzt Eure Netzwerke und verbreitet diesen Link um auf die Spendenaktion hinzuweisen. Nutzt den Hashtag #BloggerFuerFluechtlinge.

(UPDATE: Auf Grund der riesigen Resonanz, verteilen wir die vielen Spenden ab sofort auf Projekte in ganz Deutschland. Wir arbeiten mit Betterplace eng zusammen, die uns hier als vertrauenswürdiger Berater eng zur Seite stehen.)

Quelle: Einfach Lecker Essen

Falls ihr noch tolle Kunst- und Kulturprojekte mit Flüchtlingen kennt, dürft ihr mir gerne die Links dazu in den Kommentaren posten.

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