Die große Wurstigkeit – The Phoenix Foundation

Eine Prise Prog-Rock, eine ordentliche Portion kosmische Psychedelia, dazu Ausflüge in die Disco oder in die Seligkeit des Siebziger-Pop, alles in von Sonnenfäden durchwirkten Indie-Rock eingebettet, so in etwa nimmt sich das Album Give Up Your Dreams aus. Der neuseeländischen Band The Phoenix Foundation ist mit ihrem neuesten Werk ein ganz starkes Argument für das in letzter Zeit vermehrt vom Abgesang bedrohte Format Album gelungen. Give Up Your Dreams wird vielleicht nicht in vielen Bestenlisten des Jahres 2015 auftauchen, aber eine rundere, stimmigere Platte als diese mag man heuer mit der Lupe suchen müssen. Die Attitüde vermittelt ein nach Entspannung gierendes Lebensgefühl, dem man sich mit Haut und Haar hingeben möchte. Sie zelebriert ein Loslassen, ein Wegdriften aus dem Alltag, ein Aufgehen in einem lässigen Sound.

Wer keine Sorgen hat, kann mit großer Leichtigkeit loslassen. Bei The Phoenix Foundation hingegen scheint das Loslassen notgedrungen, fast wie eine Kapitulation vor höherer Gewalt. Der Albumtitel versteht sich auch als Plädoyer für ein Ende von Ambition und Wunsch – und für den Beginn einer großen Wurstigkeit! In dieser Konsequenz heißt es dann im Titelsong Give Up Your Dreams auch „I’ve been giving up on all my aspirations„. Das Mantra „I’m a loser and I’m losing my belief“ durchzieht den Track, es schwingt dabei sogar ein gewisser Stolz mit. Die Spoken-Word-Passage „Don’t let anyone tell you that you’re special/ Don’t let anyone tell you that all your dreams will come true“ räumt mit falschen Versprechungen auf. All diese Erkenntnisse verfehlen ihre befreiende Wirkung nicht. Indem man sich vor Augen führt, dass man eigentlich nur eine jämmerlich kleine Kreatur auf einem jämmerlich kleinen im Weltraum schwebenden Planeten ist, wird das eigene Sein auf ein gesundes Maß zurechtgestutzt. Der Track Mountain verweigert sich mit den Worten „I control the future by falling asleep„. Und die Musik dazu schwelgt in psychedelisch-spacigem Bombast. Die Band ertüftelt für ihre Songs immer Refrains oder Hooklines voll melodischer Schönheit, die wie Phoenix aus der Asche eher unruhiger Rhythmen steigen. So auch bei Sunbed, dem famosesten Lied der Platte. Einem mitunter flüsternden Gesang wird im schwelgerischen Refrain eskapistische Ekstase eingehaucht („I’m only half awake„). Es besticht als eine zwischen Siebziger-Sonnenschein und dem pfiffigen Indie unserer Tage angesiedelte Hymne. Völlig anders dagegen tönt Celestial Bodies, das wie bereits zuvor eine Weltraummetapher benutzt („I’m just a pulsar on a collision course/ With the black hole of your heart„), dabei jedoch auf entrücktes Disco-Flair setzt. Einem Track wie diesem steht anderseits Playing Dead gegenüber, das sich krautig, zappelig geriert. Doch so sehr die Band stilistischer Vielfalt huldigt, an Tonfall und an der Intention ändert sich nichts. Give Up Your Dreams begreift Lethargie und Verweigerung als Maximen eines Neuanfangs, immer angetrieben von der Vorstellung „We’re all prisoners on this earth„, wie es im Song Jason heißt. Will man das Album gebührend würdigen, darf auch der augenzwinkernde Track Bob Lennon John Dylan [sic!] nicht unerwähnt bleiben. Dieses Lied schwelgt sich quer durch die Musikgeschichte: Pfiffige Sixties-Melodien und britischer Esprit stehen ein über die Maßen krakeelendes Gitarrensolo und der Anflug von käsigem Adult Orientated Rock gegenüber. So launig und lässig kann man nur klingen, wenn man sich von allen Dingen befreit hat.

The Phoenix Foundation haben kein klassisches Wohlfühlalbum fabriziert. Give Up Your Dreams als Titel beinhaltet eine sarkastische Note. Hier wird keine Erleuchtung und kein Neuanfang mit Yoga und allem Pipapo versprochen. Vielmehr gelingt den Neuseeländern der schiere Absprung aus dem Hamsterrad der Existenz. Und weil dieses Album in seiner Befreiung ohne Heilsversprechen auskommt, gerät es in der Tat hörenswert. Aus der eigenen Winzigkeit ein wenig Mut zu schöpfen, diese Einstellung sollten wir alle öfter verinnerlichen!

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Give Up Your Dreams ist am 07.08.2015 auf Memphis Industries.

Konzerttermine:

09.11.2015 Köln – Luxor
10.11.2015 Berlin – Berghain Kantine

Links:

Offizielle Homepage

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