Falsche Bescheidenheit einer stupenden Band – Maff

Wenn man über die Band Maff etwas weniger Schmeichelhaftes sagen will, dann dass die Formation aus der chilenischen Hauptstadt Santiago wohl nicht den formidabelsten Bandnamen ersonnen hat. An der stupenden Musik der gleichnamigen, vor wenigen Wochen veröffentlichten EP lässt sich dagegen kein Makel finden. Als ich über diese EP beim Kollegen Nicorola gestolpert bin, war es sofort um mich geschehen. Maff stehen für eine vielfältige Mischung aus Shoegaze, Post-Punk, Indie-Rock und Post-Rock. Bei praktisch jedem Track wird ein anderer Akzent gesetzt. Das acht Songs und einen Radio Edit umfassende Werk als EP zu bezeichnen, scheint ohnehin falsche Bescheidenheit zu sein.

Doch sehen wir uns die Stücke ganz kurz näher an. Beim grandiosen, majestätischen Walking On Fire etwa dominiert Post-Rock, der wie eine Mixtur aus And So I Watch You From Afar und Explosion In The Sky und einer sehr melodisch gestimmten Alternative-Rock-Kapelle klingt. Someday dagegen mutet nach einer shoegazigen Nummer aus den Neunzigern an, ein Konglomerat aus Low, Yo La Tengo und His Name Is Alive vielleicht. You wiederum definiert die Schnittstelle zwischen Post-Punk und Shoegaze millimetergenau, der Gesang von Linger Around scheint in einem eigenen Paralleluniversum unterwegs, das von einer aufgeputschten Gitarre und kernigem Schlagzeug umkreist wird. Maff sind stets weit mehr als verschiedene Genres beackernde Epigonen, ihre bemerkenswerte Befähigung zu erinnerungsträchtigen Melodien fällt durchaus verblüffend aus. Blue Seas besticht als Indie-Rock-Hymne, die schon vor 20 Jahren hätte begeistern können. Man kann sich vor nostalgischen Gefühlen kaum halten! Die Formation aus Chile ist in der Instrumentierung ungemein geradlinig unterwegs: Gitarren, Bass, Drums, Synthies. Ohne jede Mätzchen wird daraus ein großer, unvergesslicher Sound kreiert. Dazu bedienen die Lyrics schlichte wie eindrückliche Sentimente. Bei Someday regiert der Wunsch nach Heimkehr: „Have you found what you’ve been looking for, someday./ Maybe now you’ll remember what you left behind./I will wait until the day you arrive./ Where are you now, where are you now./ Oh someday, Oh someday you’ll be home.„. Blue Seas frönt dem Gefühl des Eintauchens in den Ozean: „Followed you into the ocean,/ diving under this old moving ceiling,/ I feel dazed, and if my happiness could talk forever./ Moving up and down the water,/ Swimming into your blue seas under your brows.„.  Und dann wäre da natürlich ein sehnsüchtiges Verlangen, das You prägt: „What can I do to make dreams true/ What can I do to wake up with you.„. Der Refrain von Million Year Picnic fasst das Hochgefühl des Hörens dieser Platte wohl am besten zusammen: „Life was never so good/ Our life was never so good.„. Maff erwachsen zu Meistern einer sanften Ekstase, die samt und sonders im Hochgefühl des Moments aufgeht.

Mal ehrlich, käme die Band aus London, Manchester oder Glasgow, würde sich ein jeder Musikblogger auf die Schulter klopfen, weil man soeben das nächste Indie-Sensatiönchen entdeckt hat. Eine Formation aus dem fernen Chile mag es da schwerer haben. Fakt jedoch bleibt: Maff haben uns eine der besten Scheiben dieses Jahres beschert. Und behaupten in aller Zurückhaltung sogar, dass dies nur eine EP sei. Welch Untertreibung sondergleichen! Mein dringender Rat an den Leser: Entdecken, staunen, kaufen!

maff_ep

Die Maff EP ist am 06.07.2015 erschienen.

Links:

Offizielle Homepage

Maff auf Facebook

SomeVapourTrails

3 Gedanken zu „Falsche Bescheidenheit einer stupenden Band – Maff

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.