Schatzkästchen 29: Lana Del Rey – High By The Beach

Das, was eine so angestrengte Lady Gaga nie wirklich war, schafft Lana Del Rey spielend. Wie einst Madonna in ihren besten Zeiten vermag Del Rey großen Pop mit Botschaften zu spicken. Den neuesten Track High By The Beach,  Vorbote ihres bereits dritten Albums Honeymoon, umweht die Aura von Luxusweibchenproblemen. High By The Beach gerät zu einem Musterbeispiel für Dekadenz und Langeweile, wird vom Wunsch nach einer Ekstase bestimmt, deren Hochglanz geradezu nihilistische Züge annimmt. Dieser Song macht aus den Abgründen hinter der schönen Fassade kein Geheimnis. Wie Lana Del Rey hier fast blasiert ihr Mantra „All I wanna do is get high by the beach“ anstimmt, lässt auf eine neue Facette ihres Wirkens schließen. War sie bei Ultraviolence noch die ewige Vorstadtprinzessin, so ist bei Honeymoon anscheinend in den Jetset vorgedrungen, demaskiert – ja dekonstruiert – somit ein weiteres Stück Amerika. Eines nämlich, welches bei allem Überfluss an den gleichen dysfunktionalen Beziehungen und Trieben leidet wie Normalsterbliche auch. Solch ein Lied unterstreicht einmal mehr, dass man Del Rey eben nicht in einen Topf mit Pop-Gören wie Taylor Swift oder Katy Perry werfen kann. Während diese den banalen Pop perfektionieren, ist die Kunstfigur Del Rey ewigen amerikanischen Mythen auf der Spur. Mit jener Attitüde steht sie vielen amerikanischen Autoren der letzten 100 Jahre, beispielsweise einem F. Scott Fitzgerald, wesentlich näher als ihren Konkurrentinnen. Gemessen an High By The Beach scheint Honeymoon ein Album zu werden, an dem 2015 nicht vorbeikommen wird. Zu Recht!

highbythebeach_cover

Die Single High By The Beach ist am 10.08.2015 erschienen.

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6 Gedanken zu „Schatzkästchen 29: Lana Del Rey – High By The Beach

  1. Ich bin mir nicht sicher, ob ihr das ernst meint, oder eure Besprechung einfach nur bitterböse Ironie ist.

    Für meinen Teil empfinde ich Lana als ebenso simpel gestricktes Industrieprodukt, wie Lady Gaga und Adele. Aber man muss dem Label dort natürlich lassen, dass sie zum Start der Karriere (nach dem gescheiterten Versuch als Lizzy Grant) geschickt den Weg über Indie-Blogs gesucht haben, um Lana so als Indie-Geheimtipp aufzubauen und ihr dadurch eine gewisse Credibility zu verleihen. Davon zehrt sie auch heute noch und das hebt sie sicherlich von Gaga, Swift, Adele und Perry ab.

    Das Songwriting mag auch mehr Tiefe haben, doch genügt ein Blick in die Infos zu den Alben und man sieht, dass kaum etwas davon auf ihrem eigenen Mist gewachsen zu sein scheint. Die Masse an Releases seit 2010 (die auch dafür spricht, dass die Cash Cow ordentlich gemolken werden soll), um die fünf Produzenten pro Album und nur wenige Tracks, bei denen Lana del Rey als alleinige Schreiberin genannt wird, sprechen da eine deutliche Sprache. Aber dieses Weltschmerz-Gehabe von Lana del Rey lässt sich Liebhabern alternativerer Musik eben gut verkaufen.

    Da ist selbst eine Frau Swift authentischer. Die leugnet ihre Wurzeln immerhin nicht, ist dem Genre aus dem sie entsprungen ist, auch heute noch nahe, lässt sich von ihrem Label nicht zu einem solch großen Output zwingen, ist sich nicht zu schade, sich auch mal mit der Industrie anzulegen (auch wenn die Apple Music Sache nach der Spotify Sache, sicher nur eine Promogeschichte war, um die Aufmerksamkeit für Apple Music zu erhöhen) und scheint (zumindest laut Credits) mehr Songs selbst zu schreiben. Radiotauglich und massenkompatibel sind beide Künstlerinnen, da kommt’s dann nur noch auf den individuellen Geschmack an.

    Aber wie gesagt, als böse Ironie, liest sich eure Review im Zweifel ganz gut.

  2. Deinen wohl jugendlichen Drang nach Meinung kann ich gut verstehen, aber Argumente wären trotzdem schön. Gerade die Anzahl der Releases etwa zeigt, dass Lana Del Rey sich den Konventionen großer Labels entzieht. Im Mainstream ist es eigentlich nicht üblich, binnen 5 Jahren dreieinhalb Alben zu veröffentlichen. Und das Spiel mit amerikanischen Mythen lässt auf ein tiefes Verständnis für die Kultur schließen. Wenn es das im Pop doch nur öfter gäbe…
    SVT

  3. „das Spiel mit amerikanischen Mythen lässt auf ein tiefes Verständnis für die Kultur schließen“. Dem stimme ich zu. Jedoch muss man das bei der Dame eben relativieren, da es offensichtlich nicht auf ihrem Mist gewachsen, was die Anzahl an Songwritern in den Credits meiner Meinung nach belegt.

    Und die Anzahl Releases spricht für mich mehr nach einem möglichst schnellen Ausschlachten. Im Gegensatz zu Taylor Swift und Co. ist Lana nämlich trotz aller Bemühungen des Labels noch nicht ganz in dieser Riege angekommen. Da muss man den Markt eben in schneller Folge bedienen, so lange der Name noch wahrgenommen wird, sonst spricht die Presse plötzlich von einem Comeback, nur weil man mal zwei / drei Jahre zwischen seinen Release hat vergehen lassen (siehe Katy Perry).

  4. Aber, das muss ich euch lassen, ihr habt Lana auch als Kunstfigur erkannt, das stimmt ja auch. Lana del Rey ist eine Kunstfigur, die sich von klugen Labelmenschen erdacht wurde und die (das gebe ich zu) sehr gut von Lizzie Grant gespielt / verkörpert wird.

  5. Ihr erster Hit Video Games hatte genau zwei Credits. Also bitte nicht auf den Credits rumreiten, ist albern. Und schnelles Ausschlachten würde gerade bei Frau Del Rey weniger Sinn machen als bei Pop-Gören ohne Substanz. Madonna ist auch eine Kunstfigur. Kunstfiguren können auf Dauer nicht verkörpert werden, sie müssen in der eigenen künstlerischen Vision angelegt sein. Aber die Diskussion bringt nichts. Einem Hater sind Argumente bekanntlich egal.

  6. Dass Lana schon lange vor ihren Hits Musik gemacht hat (seit 2005), und zwar in der selben, ihr später angeblich von Labelleuten aufgezwungenen Ästhetik, wissen die meisten selbsternannten Kritiker eh nicht… Zu dem langweiligen Vorwurf, LDR wäre „Kunstfigur“ bzw. „von Labelmenschen erdacht“ empfehle ich immer gerne diesen Artikel von Spin – „Deconstructing Lana Del Rey“. Damit ist eigentlich alles gesagt und jede weitere Diskussion erübrigt sich. 🙂

    http://www.spin.com/articles/deconstructing-lana-del-rey/?page=0

    „Kunstfiguren können auf Dauer nicht verkörpert werden, sie müssen in der eigenen künstlerischen Vision angelegt sein. “ Genauso ist das. Das wird in dem obigen Artikel auch noch mal deutlich.

    HBTB finde ich übrigens auch prima (wenngleich vom Gesamtsound her mir persönlich etwas zu soft), und bei dem Video habe ich mir ein Schmunzeln doch nicht verkneifen können.

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