Willkommen im großen Kino – Lana Del Rey

Lana Del Rey stellt nicht nur die Kunstfigur unserer Tage dar, sie taugt auch als veritable Reizfigur. Ihr fraglos elegantes Image speist sich zu einem gewissen Teil aus reaktionären Klischees. Del Rey vermittelt ein vermeintlich ewiggestriges Frauenbild, dem es ab und an an Selbstachtung mangelt. Männern zu gefallen, dies scheint allerhöchste Erfüllung zu bringen, doch bewirkt diese Attitüde auch ungesunde Abhängigkeiten, Liebeskummer inklusive. Dass sie die nach außen hin blasierte Diva gibt, deren Innerstes zugleich lodert, mag Feministinnen die Tränen in die Augen treiben. Haben all die verruchten, dominanten Stars der vergangenen Dekaden umsonst die selbstbestimmte Powerfrau gegeben? Hat Madonna die Erotik als Mittel zur Unterwerfung vergeblich forciert, zeigt Rihanna als Speerspitze der Free-the-Nipple-Bewegung erfolglos Körperbewusstsein? Seit Jahr und Tag kämpft eine Lady Gaga mit größtmöglicher Exzentrik dafür, dass Durchgeknalltheit im Namen der Kunst nicht länger als Männerdomäne angesehen wird. Sollen alle diese Anstrengungen nun von Del Reys retroeskem Glamour überschattet werden? Ist es ein Rückfall in unemanzipierte Zeiten? Wenn man dem neuen Album Honeymoon wahrhaft gerecht werden möchte, muss man es als Hollywood-Oper begreifen. Eine Oper, die letztlich gar nicht so unmodern tönt, wie es zunächst vielleicht den Anschein hat.

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Photo Credit: Neil Krug

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