Das Schlawiner-Gen – Wanda

Den Tschick in der Pappn, also die Fluppe im Mund, dazu noch das Bier in der Hand, mit diesen Utensilien machen sich Wanda daran, von der Liebe und dem Leben zu singen und österreichische Daseinsfreude, die stets aus Granteln und Goschertheit besteht, mit knarziger Kehle zu zelebrieren. Mit ihrem letztjährigen Debüt Amore hat die Wiener Band sogar in Deutschland für Furore gesorgt. Binnen Jahresfrist wird also nun mit Bussi nachgelegt. Bereits bei der im Frühjahr erfolgten Ankündigung des neuen Albums hat jeder mit Sympathien für die Band gehofft, dass Wanda noch ein paar Pfeile im Köcher haben. Und tatsächlich haben sich die Wiener neuerlich mit Haut und Haar dem Motto ‚Verschwende deine Jugend‘ verschrieben, abermals werden Überschwang, Lust und Narretei zu einem einzigartigen Lebensgefühl gemixt. Wanda drängt es danach, ohne Rücksicht auf Verluste den Exzess zu suchen. Die Jungs stehen voll im Saft – und das merkt man Bussi auch an.

Wanda 1 ©Florian Senekowitsch Vertigo Berlin

Photo Credit: Florian Senekowitsch (Vertigo Berlin)

Der Charme von Wanda besteht darin, sich kein Blatt vor den Mund zu nehmen. Wer in den vergangenen zwölf Monaten das eine oder andere Interview der zwischendurch geradezu omipräsenten Neulingen gelesen hat, wird mir sicher zustimmen. Während manch deutsche Kollegen entweder zur Verkopfung neigen oder aber Trivialitäten ausgesucht langweilig darbieten, sitzt den Wienern der Schalk stets im Nacken. Wanda tragen halt das Schlawiner-Gen in sich. Musikalisch hat sich nichts geändert, sie bleiben die Reanimateure des Austropop im neuen Jahrtausend, paaren diesen mit frechen Indie-Rock-Hymen, wie sie Österreich noch nie gesehen hat. Sogar ohne den Let’s-fetz-Überraschungseffekt des quasi aus dem Nichts kommenden Debüts vermag Bussi den Hörern ein seliges Grinsen ins Gesicht zu zaubern. Ein Lied wie Das wär schön wird ein Hit, da muss man keinerlei Kristallkugel bemühen. Die erste Single Bussi Baby hat in den österreichischen Charts ohnehin längst gute Figur gemacht. Wer in meinem Heimatland keine Marillen in den Ohrwaschln hat, ist Wanda allerdings ohnehin längst verfallen. Bussi liefert dafür triftige weitere Argumente. Schon zu Beginn macht 1,2,3,4 alles klar: „Ich kann dich nackt und wunderschön von hier aus sehen, ich will mir dir in einem schwarzen Kreis aus Opium stehen. Und die Stadt träumt sich in unser Herz hinein, denn in mütterlicher Stille fängt es an schneien.“ Sex, Drugs und Austropop, so wird’s gemacht! Auch Meine beiden Schwestern ist ein markanter Gassenhauer mit sinnfreiem wie eingängigem Refrain. Marco Michael Wanda scheint mit Ausstrahlung und einem unverwechselbaren Gesang gesegnet, all dies lässt Texte in den Hintergrund treten. Der Herr gibt den Falco, aber auch gern Alpen-Celentano! Die Affinität zu Italien findet sich in einigen Liedern wieder, Rom, Bologna – eh klar! – und Venedig werden als Orte des Lustwandelns zelebriert. Was die Texte brauchen, sind schlicht nur Phrasen, Slogans, Sehnsuchtdesitinations, die aus vollster Kehle intoniert werden können. Beim bereits erwähnten, urlässigen Bussi Baby ist der Titel Programm.

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