Musik, zu der sich wunderbar Bier verschütten lässt – Afterpartees

Pete(r) Doherty ist halt auch keine 20 mehr. Und darum war es nur eine Frage der Zeit, bis die Rotzlöffel, die sein Tun bei The Libertines oder Babyshambles als wildgewordene Teenager zum Mißfallen der gestrengen Eltern im Kinderzimmer lautstark nachgestellt haben, nun selbst im besten Alter sind, um die Sau richtig herauszulassen. Die Musik der niederländischen Formation Afterpartees schrammelt und rumpelt angenehm dahin. Zugegeben gesanglich kann man mit dem flegelhaften Charme von Herrn Doherty nicht mithalten. Und ja, punkiger und mit Hang zum College-Rock-Fun ist dieser Power-Pop sicher angelegt, aber die Intention des Debüts Glitter Lizard lässt am Vorbild wenig Zweifel. Diese Hauruck-Klänge versprühen eine Launigkeit und Ausgelassenheit, vor allem strahlen sie manchmal eine sympathische Unberechenbarkeit aus.

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Photo Credit: Nick Helderman

Wer beim Track Gucci Ballad nicht an Doherty erinnert wird, dem ist wirklich nicht zu helfen. Von einem Tempowechsel über den stets neben der Spur befindlichen Vortrag bis hin zu einer Mischung aus Larmoyanz und saloppem Übermut findet sich bei diesem Song alles, was auch eine starke Nummer der Babyshambles ausmachen würde. Die übrigen Titel des Albums gehen in ihrem Drang zu quirligen Hooklines sogar noch weiter zurück, orientieren sich in der Garage-Attitüde und dem Bekenntnis zu Punk-Rock-Knackigkeit an den Siebzigern. Schon der Opener Loverboy Loco punktet mit unbändiger Lockerheit, krakeelt sich die Seele aus dem Hals, lebt ohne Rücksicht auf Verluste. Auch Candy Color Wearin‘ Weirdos rambazambat voll urtümlichem Kneipenrock, gerade so als gäbs kein Morgen mehr. Zum Happy-go-lucky-Flair der Platte passt es, dass man sich um die Lyrics wirklich keinen Kopf machen muss. Es geht um Flirts und Parties, um Beziehungen und die Zeit davor, danach und dazwischen. Die Afterpartees wollen gar nicht erst tiefschürfend sein, lieber mit rauer Verve ein Lebensgefühl vermitteln. Girls Like You beschert uns eine dank wirbelndem Schlagzeug und lärmiger Gitarre schön verrotzte Nummer. Die Instrumentierung wuselt ohne Schnörkel dahin. Natürlich hätte man sich von eine Herrn Doherty, die eine oder andere auf sophisticated getrimmte Flapsigkeit abschauen können. Lilly verrät in seiner Medleyhaftigkeit durchaus das Talent dazu, Lieder nicht nur aufgeregt runterzurocken, sondern keck um die Ende zu tüfteln. Doch auch straighte Songs wie etwa First/Last punkten mit einem altmodischen wie gefälligen Refrain. Zu guter Letzt bieten die Niederländer bei Red Bull nochmals alles an Dynamik auf, was sie so im Köcher haben. Dem Songtitel machen sie dabei alle Ehre. Aufgeputschter Punk-Rock voller Dopamin, dargereicht mit britischer Schnoddrigkeit.

Für ein Debüt haben die Afterpartees ihre Sache sauber durchgezogen. Es ist Musik, zu der sich wunderbar Bier verschütten lässt! Glitter Lizard bietet noch nicht das ganz große Songwriting auf, in Sachen Leidenschaftlichkeit und Energie macht der Band jedoch niemand etwas vor. Wer hier nicht in Wallung gerät, kann seine Hüften für immer einpacken. Afterpartees stehen nach dem Erstling aber auch vor Grundsatzentscheidung. Darf es nicht doch einen Tick vertrackter, charismatisch-versiffter sein? Nur für den Fall, dass Herr Doherty seine Karriere irgendwann doch noch an den Nagel hängt? Vom Talent her könnte das klappen!

glitterlizard

Glitter Lizard ist am 04.09.2015 auf Excelsior Recordings erschienen.

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