Voll Fantasie und Wohlgefühl – This Is Head

Alle mal herhören! Heute möchte ich eine meiner Lieblingsplatten des Jahres vorstellen. Das Album hat von Bono-macht-einen-auf-Indie-Pop bis hin zu Space-Cowboy-Krautrock viel zu bieten. Der schwedischen Formation This Is Head darf man zu einem großartigen Werk gratulieren, zu einer unvergesslichen Platte nämlich, der man durchgängig die Freude an hypnotischen Rhythmen und launigen Melodien anmerkt. Das selbstbetitelte Album strahlt große Bescheidenheit aus, steht für lautere Liebe am Musizieren, vermag zu überraschen. Bei vielen durchaus guten Scheiben werde ich oft vom Gefühl beschlichen, dass das Zusammenschustern eines Werks ein echter Knochenjob ist, bei dem die Inspiration auch schon mal auf der Strecke bleibt. Dieser Eindruck fehlt bei This Is Head völlig, jedwede Sekunde kann überzeugen, jeder Track scheint leicht von der Hand zu gehen. Solch Unangestrengtheit verfängt beim Hörer ganz und gar.

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Photo Credit: Tobias Widman

Wenn die Band irgendwo an Kreativität gespart hat, dann höchstens bei den Songtiteln. Eröffnet wird die Chose von Beginning, einem irrlichternden Synthie-Western, bei dem eine Art Django stoisch durch Galaxien trabt. Mein Kopffilm sieht Clint Eastwood auf einem Wüstenplanet, den gleich mehrere Sonnen bescheinen, per Pferd daherzuckeln, während am Horizont eine kleine Combo grüner Männchen mit Seelenruhe an Musikinstrumenten hantiert. Pieces wiederum gibt dem Pferd die Sporen und galoppiert über Stock und Stein. Wo Beginning noch ohne Ziel durch die Landschaft dackelt, wird Pieces von Sehnsucht angetrieben, flitzt dabei über eine irdische Karstlandschaft hinweg. Diese Tracks sind wie dafür gemacht, einen Spielfilm vor dem geistigen Auge ablaufen zu lassen. Mit Astray kommt Indie-Pop ins Spiel. Gesanglich erinnert dies an Tim Booth von der Band James, von den Harmonien schwingt sogar ein Hauch von Bono mit. Es ist eine luftig-beschwingte, mit dem melodischen Charme der Neunziger versehene Nummer. This Is Head sind eine jener Bands, die sowohl bei Instrumentalstücken als auch bei Pop mit Gesang eine gute Figur abgeben. Timmerdalen glänzt in der Folge mit hypnotischem Flow und Space-Rock, einmal mehr wird hier Staub aufgewirbelt, ein Ritt gewagt. Auch People fällt großartig aus. Ein schlichte wie schöne Basslinie durchzieht das von Psychedelic Rock geprägte Stück, dazu bietet der Refrain versonnenen Taumel und sachte Ekstase. Zumindest mir geht hier das Herz auf! Natten tanzt wiederum aus der Reihe. Bereits in der Vorschau zu der Platte habe ich mich bei diesem Track auf die perfekt auf den Punkt gebrachte Expertise von The Line Of Best Fit gestützt: „Tribal percussion and gliding refrains fade into clear-cut vocals and driving riffs, glimmering drones paving way for potent rhythms and dynamic vocals.“. Mit Colors wird der Weltraumgalopp nochmals aufgegriffen, in krautige Unruhe gepackt. Hierin steckt große imaginative Kraft, die Bilder wirft, dabei wuselt und fiept. Längst bin ich vom Sound überwältigt. Dabei steht End noch aus, das eine shoegazige Gitarre mit erdigen Rhythmen und einem gedämpften Gesang kombiniert, im Verlauf Prog-Elemente aufnimmt, voll Verve und kakophonischer Eleganz dem Ende zusteuert.

This Is Head haben mit ihrem selbstbetitelten Album ein ungemein unterhaltsames Stück Musik geschaffen. Fantasie und Wohlgefühl werden auf wunderbarste Weise miteinander verknüpft. Das schwedische Quartett lässt Ideen freien Lauf. Derart unangestrengt und launig im Spiel, so unkalkuliert wie diese Platte in ihrer Gesamtheit ausfällt, würde man sich Musik öfter wünschen. Wer instrumentalem Rock zugetan ist oder etwa ein Faible für die Fluffigkeit von Indie-Pop hat, wer vielleicht sogar einen Soundtrack für die eigenen Gedankenbilder sucht, muss This Is Head lieben. Ich für meinen Teil werde an diesem Album noch sehr, sehr lange Freude haben!

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This Is Head ist am 02.09.2015 auf Adrian Recordings erschienen.

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