Über die Würde der Verlierer – Jonas Carping

Ich bilde mir eigentlich nicht ein, die DNA einer Band oder eines Musikers entschlüsseln zu können. Aber ich versuche natürlich die Intention eines Albums so gut es eben geht zu begreifen. Und das führt unvermeidlich zu der Frage, was eine Singer-Songwriterin oder einen Liedermacher antreibt. Oft gibt bereits das Genre Aufschluss. Oft überführt schon ein Pressebild. Im Falle des Schweden Jonas Carping jedoch habe ich ein wenig grübeln müssen. Denn seinem hervorragenden Album Cocktails & Gasoline ist nicht einfach beizukommen. Die Altersweisheit einer musikalischen Eminenz, die sich ein paar Drinks hinter die Binde kippt und über das Leben sinniert, ist beispielsweise nicht zu überhören. Es trägt auch Züge eines ewigen Außenseitertums in sich, das sogar zur Groteske neigt. Als weitere Facette habe ich ausgemacht, dass Carping mitunter wie das uneheliche Kind von Van Morrison und Johnny Logan tönt, also einen Mix aus kantigem Singer-Songwriter und Crooner verkörpert. Bei manchen Songs gelingt dem Schweden sogar eine Grandezza, die sehr an den Tindersticks-Maestro Stuart A. Staples erinnert. Carpings Texte, Carpings Vortrag kann man also nicht mit einer 08/15-Charakterisierung einfangen. Er ist eben eine Type, Charakterkopf mit einer Menge Eigenschaften.

Wenn man bei Cocktails & Gasoline ein Haar in der Suppe finden möchte, dann habe ich es mit Ach und Krach gefunden. Die zweite Hälfte des Albums ist wirklich gut, fällt jedoch gegenüber dem ersten Teil ein bisschen ab. Denn jener gerät überragend, beginnend mit The Last Approval. Eine seltsam pastorale Dynamik erfüllt das Lied, das als apodiktischer Abgesang zu verstehen ist. Das Leben wird als Spiel mit gezinkten Karten dargestellt, das letztlich nicht zu gewinnen ist. Der Refrain „You watched them rule by fear/ Then how come you’re so easily scared“ ist wuchtige Systemkritik.  Weiterlesen