Die beste Medizin bei Verstimmungen – Fat Freddy’s Drop

Ich bin dieser Tage über eine interessante Studie gestolpert. Menschen, die aus Verdruss oder Traurigkeit heraus triste oder aggressive Musik hören, um Dampf abzulassen, also negative Emotionen auszuleben, schaden damit ihrer psychischen Gesundheit. Für Laien will ich es so zusammenfassen: Wer überwiegend unfröhlicher Musik lauscht, sie als Ventil nutzt, läuft Gefahr, sich eine handfeste Depression oder ähnliches einzuhandeln, sofern er/sie diese nicht bereits hat. Nun juckt es mich in den Fingern, dazu den einen oder anderen Gedanken loszuwerden. Doch ich will es bei der zugegeben subjektiven Empfindung belassen, dass fröhliche Musik oft wenig musikalische Komplexität oder gedankliche Tiefe aufweist. Wir stehen somit vor dem großen Problem, dass mit einem Funken Intellekt ausgestattete Hörer an ernster bis trister Musik hängen. Wer darum nun um die eigene Gemütsverfassung bangt, dem kann freilich geholfen werden. Eine der launigsten Platten des Jahres ist zugleich eine, die spielerisch und schlau Soul, Reggae, Jazz und hypnotische EDM miteinander vermengt, dadurch einen wunderbar entspannten Flow erzeugt. Der neuseeländischen Formation Fat Freddy’s Drop, einem gern gesehenem Gast auf diesem Blog, ist mit Bays abermals ein feines Album gelungen. Ob Dr Boondigga & The Big BW von 2009 oder Blackbird (2013), stets hat die Truppe einen in seiner Leichtigkeit fast an Jam erinnernden Sound kredenzt. Dieses Geschick stellt sie auch 2015 unter Beweis.

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Tarnung und Täuschung – Dralms

Heute möchte ich dem werten Leser eine Platte ans Herz legen, die von der Schwere des selbigen erzählt. Zumindest will sie uns dies weismachen. In ihrer Schmerzhaftigkeit gelegentlich nur angedeutete Traurigkeit umgibt das Werk, das auf den ersten Blick in introspektiv gehaltenen, elektronischen Klängen dahinblubbert. Das Projekt Dralms des im kanadischen Vancouver beheimateten Masterminds Christopher Smith wartet mit  balladeskem, synthieschwangerem Pop auf, der seine kuschelig-souligen Augenblicke hat. Ab und an erinnert dies an Barbarossa, über den ich im Frühjahr geschrieben habe. Aber diese Stimmung ist eigentlich nur Ausgangspunkt für einen viel spannenderen Sound, der zwischen Progressive Rock und Alternative angelegt ist, dem Hörer jedoch untergeschmuggelt wird. Smith hat mit dem Album Shook eine feine Emotion mit musikalischer Finesse kombiniert, seine Stimme in überirdische Gefilde transzendiert. Nehmen wir beispielsweise das soulige Wholly Present, dessen staunender, ungläubiger Ton zu bestricken weiß. So tönt Musik mit Schlafzimmerblick, wobei dieser im Verlauf der Platte oft fragend, meist bedauernd blinzelt.

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