Ätherische Süße und Blöße – Kodiak Deathbeds

Schleppendes Flüstern, fragiles Trällern, bedauerndes Seufzen, samtenes Hauchen und sehnsüchtige Klarheit! Amber Webbers außergewöhnliche Stimme hat das süße Timbre einer Countrysängerin, die intensive Blöße einer Folksängerin sowie die ätherische Verlorenheit einer Vertreterin des Dream-Pop. Zusammen mit dem Gitarristen Derek Fudesco bildet Webber das Duo Kodiak Deathbeds. Beide waren schon in verschiedenen Bands aktiv, sind sozusagen alte Hasen. Und vielleicht braucht es diese gewisse Abgeklärtheit, um ein Album aufzunehmen, welches voll und ganz auf das Zusammenwirken von Gitarre und Gesang vertraut. Dem selbstbetitelten Debüt steht diese karge Schlichtheit vorzüglich zu Gesicht.

Schon die ersten Akkorde von Never Change machen das Herz schwer. Der Vergleich mit den oft als Referenz beschworenen Mazzy Star schien noch selten angebrachter, vor allem wenn man an Songs des Debüts She Hangs Brightly denkt. Schwermut und Weltflucht lasten gleich einem Fluch auf dem Lied und dessen resignativem Seufzer „We’ve got our histories to blame/ But they never change„. Webbers melodischer Gesang wird an manchen Stellen in mehreren Schichten auf das Lied aufgetragen, sodass in den dramatischen Momenten chorhafte Fülle entsteht. Dies alles wird von einer fast stoischen Gitarre untermalt. Never Change fällt wirklich sagenhaft aus. Wild Hearts wiederum wirkt wie aus einem Rocky-Mountain-Idyll entnommen, erinnert mit seiner sehnsüchtig-zittrigen Siebziger-Phrasierung an die letzten Tage der Hippies. Rattle and Roar dagegen betont das leger westernhafte Element, die Gitarre irrlichtert durch die Weite. Im Refrain mit seinem bedauernden Unterton beschert Webbers Vortrag einmal mehr Gänsehaut, vielleicht gerade durch das, was ihr Seufzen verschweigt. Mit dem Track Gemini wenden sich die Kodiak Deathbeds schließlich dem Folk in absoluter Reinkultur zu, es erinnert geradezu an eine wunderbare, alte Volksweise. Auf dieses Highlight folgt mit Joseph nochmals ein frischer Akzent, der Song scheint von der Strömung des New Weird America beeinflusst. Es erstaunt gewaltig, dass diese puristische Herangehensweise, jene Zusammenspiel von Gitarre und Gesang eben, doch eine enorme Bandbreite erlaubt. Ob Indie-Folk samt quirligem Rhythmus (Borderline) oder akustischer Dream-Folk mit einer säuselnden Webber zum Niederknien (Cross That Line), keine Nuance des Genres bleibt unbeachtet. Auch über dem finalen We Found A Home liegt ein rustikaler Zauber, ein ewig gültiges Empfinden.

Dieses Album gerät vor allem deshalb zum kleinen Meisterwerk, weil Amber Webbers Gesang nicht von dieser Welt scheint. Den Kodiak Deathbeds ist eine Platte gelungen, die ein bewusst schlichtes Ambiente dazu benutzt, eine Stimme vor den Ohren des Hörers transzendieren zu lassen. Die Art und Weise des Vortrags lässt alle Worte hinter sich. Webbers in allen Details ausgestaltete, wohltemperierte Emotion wirkt engelsklar und natürlich zugleich. Fudescos feines Gitarrenspiel ist der Sockel, auf welchem sie thront. Entrückt und doch auch nah!

kodiakdeathbeds_cover

Kodiak Deathbeds ist am 18.09.2015 auf Affairs Of The Heart erschienen.

Konzerttermine:

18.11.2015 Wien (AT) – Haus der Musik (Blue Bird Warm-Up Show)
19.11.2015 Graz (AT) – Autumn Leaves Festival @ Orpheum Extra
20.11.2015 Frankfurt – Brotfabrik
22.11.2015 Rees-Haldern – Haldern Pop Bar
23.11.2015 Berlin – Auster Club
24.11.2015 Hamburg – Kleiner Donner
25.11.2015 Düsseldorf – zakk Bar
26.11.2015 Heidelberg – Prêt à Écouter Festival

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