Famose griechische Slacker-Hippie-Rebellen – The Noise Figures

Es gibt nichts, was es nicht gibt! Beispielsweise famosen psychedelischen Desert-Garage aus Griechenland! Das Duo The Noise Figures macht ihren abgetakelten Van startklar, klappert und holpert über die sandigen bis schottrigen Nebenstraßen dieser Welt, nimmt uns mit auf eine dreckige Zeitreise durch die späten Sechziger und frühen Siebziger. Aphelion ist ein Album, das die Vergangenheit nicht einfach imitiert, sondern sie ohne spleenige Verklärungen oder ironische Brechungen beinahe wiederauferstehen lässt. Wer der urtümlichen Kraft von Rock verfallen ist, wird von Aphelion schlicht begeistert sein! Allerdings sorgt die Herkunft des Duos für im Rock eher ungewöhnliche Untertöne.

2012 haben sich die Jugendfreude George Nikas und Stamos Bamparis zusammengetan und in der Musik ein Mittel zur Bewältigung der tristen Krise im Lande gefunden. Dennoch frönt die Platte keinem reinen Eskapismus zu. Das in Musik und Text gewählte Außenseitertum bietet sowohl die Scheißegal-Attitüde von Slacker-Hippies als auch reichlich rebellisches Außenseitertum. Bei aller Verweigerung schimmert nämlich ein bisschen die Hoffnung auf Ausbruch und auf die Überwindung der Misere durch. The Noise Figures begehen also nicht den Fehler, ihr Heil in fatalistischem Zynismus zu suchen. Bereits mit dem tollen Opener Shoot The Moon übertrifft das Duo sämtliche Erwartungshaltungen, die man an ein Album haben kann. Die Zeilen „We found an open road to drag our bones away/ Fell upon a man frightened of our gloom/ And the spirits all holding on our hands/ In a parking lot we were striving to/ Shoot the moon“ klingen wie das Drehbuch zu einem verschrammelten Roadmovie. Und in dieser schrägen, einem ekstatisch verzerrten Sound huldigenden Tonart geht es weiter. Mal bluesig, oft von roher Dynamik beseelt, gerne auch mit hemdsärmelig-melodisch, so in etwa klingt In The Boneyard. Das folgende Run wiederum geht sogar einen weiteren Schritt zurück, erinnert vom Rhythmus her an die goldenen Zeiten der British Invasion. Don’t Throw Your Hand zeitigt noch einen zünftigen Hüftschwinger, den man gar nicht oft genug hören kann, ehe mit dem Titeltrack Aphelion dann Bluesrock samt psychedelischem Text dominiert. Lyrics wie „We can hide behind the sun rays/ Close your eyes, you’re a satellite/ We’re bound to hound/ To hound the spring tide“ deuten den intensiven Drogentrip an. Selbiges gilt für Feathers mit seiner gehetzter Percussion und mächtiger Gitarre. Die Zeilen „She found her way in the dark/ There is no brighter road to heaven/ Held the key to my heart/ Said we could fly without our feathers“ lösen sich endgültig von allem Irdischen los – transzendieren. Diese Reise ist ohne Zweifel eine Flucht, was angesichts der Lage in Griechenland kein Zufall scheint! Gegen Ende hin dreht das erdige, herbe No Use nochmals auf, ehe Celebration Time zwangsläufig den Abgesang bringt: „Everybody’s got a picture to share/ Everybody’s got a big big smile/ But don’t look inside/ You will see the lies„. Natürlich kann dieser Trip nicht gen Sonnenuntergang ins Happyend verschwinden. Das nämlich wäre in der Tat Eskapismus. So jedoch fällt das Mantra „It’s celebration time“ aufmüpfig aus, nicht resignativ, keinesfalls zur Aufgabe bereit. Celebration Time lehnt sich zurück, schaut sich den ganzen Wahnsinn an – und applaudiert voll höhnischer Wucht.

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The Noise Figures haben ihren eigenen Soundtrack zur Krise geschaffen. Geben die bewusstseinsgeweiteten Outlaws, die musikalisch den Ausflug in die Vergangenheit wagen, um sich vom Jetzt nicht völlig unterkriegen zu lassen. Aphelion wäre jedoch nur dann harmlos, wenn es eben nicht die Attitüde mitbrächte, die es freilich hat. Die beiden Griechen nehmen die Rolle der Parias nicht nur, sie machen auch etwas daraus. Nämlich eines der besten Rockalben dieses Jahres!

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Aphelion ist am 28.09.2015 auf Inner Ear Records erschienen.

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