Schlaglicht 34: Feu! Chatterton

Chansonesquen Pop-Rock der feinsten Sorte hat die Pariser Formation Feu! Chatterton zu bieten. Dabei sind die Franzosen mal gern im Gedanken vertieft, dann wieder mit viel Temperament am Übersprudeln und von handfester Emotion beseelt. Vor allem sind die Lieder des Debüts Ici le Jour (a tout enseveli) überraschungsreich. Der Discofeger La Malinche wandelt sich im Mittelteil zum schwülstig-inbrünstigen Schmachtfetzen. Côte Concorde steigert sich in einen gefühlsmüßigen Ausnahmezustand hinein, die hörbar tränenbestückten Stimme hat dabei trotzdem noch ordentlich Schmelz im Talon. Einem Johnny Hallyday müsste solch eine Nummer sehr gefallen. Rhythmisch geschmeidig, im Refrain sogar zum Mitträllern einladend gibt sich Boeing. Ein solch eingängige Nummer wäre sogar im deutschen Radio gut aufgehoben. Gegen den Strich gebürstet fällt Harlem mit seinem Sprechgesang aus. Das sechs Minuten erzählende Stück kann sich zu einen überraschend pittoresken Refrain aufraffen, der der eher nüchtern gehaltenen Prosa entgegensteht. Feu! Chatterton sind in ihrem Sound nie wirklich greifbar – und deshalb auch spannend. Als stärkste Lied des Album erscheint mir Le Pont marie, welches, wenn mich die Reste meines Schulfranzösisch nicht im Stich lassen, vom tragischen Ende einer Amour fou fantasiert. Großartig! Außer Rand und Band verhält sich bei La Mort dans La Pinède der Gesang von Arthur Teboul. Er besitzt eine wunderbar schauspielernde Stimme, die auch das Extreme ausdrücken kann, die sich in Rage und in Inbrunst hineinzusteigern vermag, die alle Facetten an Emotion ausspeit.  Weiterlesen