Schatzkästchen 36: HAWK – Once Told

Ich schätze Musik mit starkem gesellschaftlichem Fokus. Genau diesen möchte die in London ansässige Formation HAWK bieten, wenn man den Ausführungen Glauben schenken mag, die die Band gegenüber The Line of Best Fit getätigt hat. Dort wird zum Song Once Told folgendes bemerkt: „‚Once Told‘ was written about the Irish law around abortion. Abortion is still illegal in Ireland, and wider issues around pregnancy, sexuality, contraception, and sexual education are still seen as taboo, and shrouded in religious undercurrent. At the root of it, the song is about archaic mindsets and processes which systemically let down women, especially those in more vulnerable circumstances. All of it seems to stem from a lack separation between church and state and in most modern societies this isn’t accepted. We hoped to draw some attention and create some debate around the issue.“. Ich schaffe es zwar akustisch nicht, die Lyrics zu verstehen, aber ich nehme der Formation rund um Frontfrau Julie Hawk gerne den Debattenbeitrag zum Thema Abtreibung ab. Und selbstredend bewundere ich die Courage, nicht einfach über Luft und Liebe zu singen, sondern ein heißes Eisen anzufassen. Wobei Abtreibung vielleicht noch in Irland ein heißes Eisen ist, generell in Westeuropa längst gesellschaftlich akzeptiert ist. Doch ist das eine Errungenschaft ohne jegliches Wenn und Aber? Der Schwangerschaftsabbruch wird heute gern als Indiz dafür gewertet, dass Frauen über ihren Körper selbst bestimmen dürfen. Aber greift diese Selbstbestimmung nicht schon bei Verhütungsmitteln? Und hört die Selbstbestimmung nicht auch in dem Moment auf, wo die Verantwortung für ein heranwachsendes Leben beginnt? Ich will keinesfalls reaktionär sein, denn natürlich gibt es triftige Umstände, die Abtreibungen notwendig machen. Wenn die Kirche auch dem Embryo ein Recht auf Leben zubilligt, hat das aber nichts mehr mit der hartherzigen Rückständigkeit zu tun, die früher Gesellschaften durchzog und Frauen für ungewünschte Schwangerschaften bestraften wollte. Wenn man das Thema Abtreibung als gesellschaftliche Emanzipation von religiösen Zwängen versteht, ist man meiner Meinung nach auf dem Holzweg.

So sehr ich also mit der Botschaft des Songs Once Told gewisse Problem habe, finde ich es nachgerade wichtig, dass eine aufstrebende Band wie HAWK inhaltliche Relevanz anstrebt. Nicht minder auffällig ist auch der Sound, den die Formation anbietet. Post-Punk trifft auf folkige Elemente und intensiven Indie-Pop, abgerundet wird dies durch einen leidenden wie  inbrünstigen, hellen wie wilden Gesang. In dieser Machart steckt großes Potential. Ich für meinen Teil bin auf die für April 2016 angekündigte EP sehr gespannt! (via Nicorola)

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