Schatzkästchen 39: Placebo – Meds (MTV Unplugged)

Seien wir ehrlich, MTV ist ein Relikt der Neunziger. Spätestens seit dem Klingeltonfiasko des Musikfernsehens vor 10 Jahren ist selbiges endgültig zur Lachnummer geworden, YouTube und Konsorten haben ihm dann endgültig den Todesstoß versetzt. Wenn etwas MTV wirklich überdauern wird, dann die Reihe MTV Unplugged. Dass nun auch Placebo im Rahmen der Reihe ihre Songs akustisch präsentieren und entelektrifizieren, macht fraglos Sinn. Dass Brian Molko und Stefan Olsdal ihr Schaffen in ein neues Gewand kleiden, ist eigentlich sogar ein risikoloses Unterfangen. Selbst die Blinden unter den Gehörlosen würden Placebo substantielles Songwriting und Molkos Gesang ewiges Charisma attestieren. Dennoch haben sich die beiden verbliebenen Mitglieder für die sichere Variante entschieden. Statt intimer Akustik wurde gleich das große orchestrale Besteck aufgefahren. Wie jedoch der Song Meds vom gleichnamigen Album aus dem Jahr 2006 belegt, wird aus der wuchtigen Larmoyanz des Originals im Unplugged-Gewand eine noch gebrochenere Nummer, die vor allem dank Molkos Vortrag geradezu als Kapitulation und Abgesang aufzufassen ist. Wenn es überhaupt eines Belegs bedurfte, dass die Formation auch ohne Glitter-Karacho funktioniert, wurde dieser hiermit erbracht. Placebo altern sehr, sehr gut. Was von MTV keineswegs behauptet werden darf.

Placebo MTV Unplugged Albumcover ©Universal Music

MTV Unplugged erscheint am 27.11.2015 auf Vertigo Berlin (Universal Music).

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