Schatzkästchen 40: Travis – Everything At Once

Die schottische Formation Travis zählt ohne Zweifel zu den unaufgeregten Vertretern der Britpop-Gerneration. Im Gegensatz zu vielen Bands, die in den Neunzigern ganz groß rausgekommen sind, haben sich Travis nie vorübergehend aufgelöst, sind über mehr als 2 Jahrzehnte unverändert zusammengeblieben. Frontmann Fran Healy und Konsorten sind der Gegenentwurf zu allem Drama, das man von anderen Gruppen dieses Kalibers oft gewohnt ist. Aus diesem Grund war ich gar nicht übermäßig besorgt, als Travis gestern auf Facebook ein Bandfoto aus frühen Tagen gepostet haben, welches Healys Gesicht mit einem großen roten Fragezeichen versehen sah. Eine Trennung hätte man schnörkellos, ohne kryptische Andeutungen verkündet! Stattdessen gibt es Erfreuliches zu berichten. Ein neuer Song samt neuem Video kündigt das bereits achte Studioalbum an. Das Lied Everything At Once fällt einmal mehr exzellent aus. Irgendwo zwischen Flüstern und Sprechgesang angesiedelte Passagen wechseln sich mit einer Indie-Rock-Hymne ab. Stark! Und auch der großartig selbstironische Clip hat es sich in sich. Ein mit grauem Vollbart mindestens 10 Jahre älter wirkender Fran Healy wagt zusammen mit seinen Bandkollegen einen halsbrecherischen Stunt, bei dem alle auf einer riesigen Schaukel Platz nehmen, die nur an mehreren quer über Busch und Baum befestigten Seilen angebracht ist. Während dem Schwung durch die Vegetation geht Healy jedoch verloren. Dieser Unfall mit ungewissem Ausgang wird danach in einer schrillen Talkshow ausgeschlachtet. Healys Kollegen sitzen in einem TV-Studio, der völlig überdrehte, von Daniel Brühl dargestellte Talkmaster begrüßt mit drogenverdächtiger Gestik und Mimik das aus Kindern bestehende Publikum. Während nun bei den Herren Andy Dunlop, Dougie Payne und Neil Primrose die Tränen kullern, ist im Hintergrund besagtes Bandfoto mit dem roten Fragezeichen zu erspähen. Längst meint man, dass hier der Tod Healys betrauert wird, als dieser plötzlich mit Rollstuhl und Krücken ins Studio geschoben wird, dabei natürlich gleich auf die Nase fällt. Mit Chaos und Erleichterung geht der schräge Clip zu Ende. Im Abspann wird mit Augenzwinkern auf folgendes hingewiesen: „No musicians were seriously injured in the making of this film.“. Das Video zu Everything At Once trägt mit feiner Ironie dem Umstand Rechnung, dass die Herren auch keine zwanzig Lenze mehr zählen. Altersmüde sind sie freilich noch lange nicht. Man darf sich einmal mehr aufs nächste Album freuen!

Den Song Everything At Once gibt es gegen Angabe einer E-Mail-Adresse auf der Webseite der Band als kostenlosen Download!

Links:

Offizielle Homepage

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SomeVapourTrails

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