Wie begossene Pudel – A Tale Of Golden Keys

Es gibt Tage, an denen man mit einer blümeranten Stimmung aufwacht, die man sich nicht so einfach aus den Augenwinkeln reiben kann. An solch Tagen fühlt man einen bitteren Geschmack im Mund, den kein Wässerchen und nicht einmal Kaffee vertreiben kann. Alles wird von der Melancholie dominiert, durch die beschlagene Brille ungebremster Wehmut wahrgenommen. Das Hier und Jetzt ist  irgendwo zwischen Kapitulation und Frustration angesiedelt. Was auch gedacht wird, denkt sich verkehrt. Genau für jene Tage scheint das Album Everything Went Down As Planned gemacht. Der deutschen Formation A Tale Of Golden Keys glückt eine nachdenkliche, mit Verlorenheit hadernde Platte, die wir uns ohne Umschweife kurz näher ansehen wollen.

Bereits der Opener All Of This zählt zu den stärksten Stücken des Werks. Einem zarten, empathischen Gesang steht ein edles Klavier zur Seite, das sehr in den Vordergrund gerückte Schlagzeug gibt dem Stück Lebendigkeit, stößt auch die mit Streichern forcierte Aufbruchstimmung an, die allen Fragen einen kleinen musikalischen Hoffnungsschimmer entgegensetzt. Der Titeltrack Everything Went Down As Planned wiederum wirkt seltsam getrieben, nervös, geradezu auf der Flucht. In dieser Hektik ist es Hannes Neunhoeffer, der mit der Gewissheit einer selbsterfüllende Prophezeiung gelassen den Abgesang anstimmt, während der Song zur Gitarrenhymne ausholt. Dieses Stück, das erst in der Aufgabe eine Art Erlösung findet, spitzt den Charakter des Albums zu. Wenn die Emotionen an ihrer Talsohle ankommen, wenn der Kampf nicht länger gekämpft wird, gelingt ein Aufatmen. So lässt sich auch der Musik gewordene Stoßseufzer „My writings on the wall washed down again“ deuten. Writings On The Wall sinniert anfangs lakonisch, nur um zum Ende hin schicksalsergeben druckvollem Gitarrenpop zu frönen. Der abgedroschenen Phrase, wonach jedem Ende auch ein Anfang innewohnt, haucht das Trio A Tale Of Golden Keys Glaubwürdigkeit ein. Auch weil es dem Ende mit Schulterzucken begegnet, keine guten Vorsätze oder Schmähungen aufbietet. Diese Unaufgeregtheit und Ehrlichkeit tut gut, etwa beim balladesk-andächtigen In The End. Und wenn die Band musikalisch noch in die Puschen kommt, beispielsweise beim zwischen melodischer Zartheit und aufbrausendem Indie-Rock pendelnden Waves, gerät die Platte zum Besten, was 2015 in Deutschland fabriziert wurde. Auch das epische Travelling Lights, das aus seiner intimen Fantasie hin in eine große Weltflucht ausbricht, zählt zu den markanten Tracks dieses Albums. In seinem letzten Drittel überwindet es die Lethargie, bricht auf, wagt Gesten. Wo zunächst alles unrund schien, setzt sich immer der Mut zum Weiter, ein eigener Antrieb durch. Die zugegeben elegante Drögheit weicht der Euphorie nach überstandener Depression („My lungs slowly start breathing in/ I am all I am/ I saw sunlight fighting again/ Through a cover of leaves„). All I Am / Reflections vollendet eine Platte, die zunächst irgendwie am Boden scheint, unrund und gebeutelt daherkommt. Nur um sich im Verlauf aufzurappeln, von selbst sogar, ohne dabei irgendeine Liebschaft, einen halbseidenen Guru oder ein materielles Gut als Impetus zu benötigen.

An manchen Tagen ist man neben der Spur und völlig außer Tritt. Für genau solch Tage ist Everything Went Down As Planned gemacht. Weil es die Widrigkeiten dadurch übersteht, dass es gleich einem begossenen Pudel das Donnerwetter über sich ergehen lässt, nur um anschließend durchzuschnaufen und sich kurz zu schütteln. Mit dieser Attitüde bieten A Tale Of Golden Keys mehr an als herkömmlicher Pop. Die Aufmunterung durch Verzicht auf Aufmunterung. Im Vorher auch das Nachher mitdenken. Solch smarte Denke gefällt mir. Denn trübe, triste Tage kann man nicht besiegen, jedoch überstehen! Zum Beispiel mit einem klugen Album wie diesem! Oder einem Konzertbesuch. Die Band tourt derzeit quer durch die Republik.

EverythingWentDownAsPlanned

Everything Went Down As Planned ist am 23.10.2015 auf Trickser erschienen.

Konzerttermine:

26.11.2015 Berlin – Kantine am Berghain
27.11.2015 Erfurt – E-Burg
28.11.2015 Göttingen – […]/ Börnerviertel
29.11.2015 Frankfurt – Elfer
30.11.2015 Reutlingen – franz.K
01.12.2015 Heidelberg – Leitstelle (Dezernat 16)
02.12.2015 Köln – Studio 672
03.12.2015 Düsseldorf – Pitcher
04.12.2015 Wuppertal – Utopiastadt
05.12.2015 Freiburg – The Great Räng Teng Teng
07.12.2015 Dornbirn (AT) – Schlachthaus
08.12.2015 Mainz – Kulturclub Schon Schön
09.12.2015 Nürnberg – K4 Festsaal
10.12.2015 Hamburg – Kleiner Donner

Links:

Offizielle Homepage

A Tale Of Golden Keys auf Facebook

SomeVapourTrails

 

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