German Wunderkinder – Lea Porcelain

Man sollte mit dem Begriff Wunderkind nicht verschwenderisch umgehen. Andererseits ist diese Bezeichnung auch deshalb verlockend, weil es eines der sehr wenigen deutschen Wörter ist, die es in die englische Sprache geschafft haben. Die Verwendung reizt vor allem darum, weil es ja nicht täglich vorkommt, dass man einer deutschen Formation in der englisch geprägten Musikwelt Aufmerksamkeit, ja sogar Applaus, voraussagen darf. Die Wunderkinder, von denen die Rede ist, sind Julien Bracht und Markus Nikolaus, zusammen als Lea Porcelain wirkend. Ihr schlicht Lea Porcelain EP benanntes Debüt offeriert einen der Songs des Jahres 2015. Der Track Bones fällt als begeisternde Mischung aus The Cure und Joy Division derart stimmig aus, dass man ihm absolut keine Epigonenhaftigkeit unterstellen möchte. Was quälen sich doch Bands fern und nah, landauf, landab, um die Achtziger auferstehen zu lasssen. Und dann wird der Stein der Weisen in Frankfurt am Main hervorgezaubert! Bereits vor knapp zwei Monaten schrieb ich: „Denn die Ian-Curtis-Gedächtniskapellen rund um den Erdkreis sehen angesichts dieser Nummer ganz schön angestaubt aus – und die vielen Nachahmer eines Robert-Smith-Sounds ebenfalls.“. Nach einigen Hördurchläufen sehe ich in Bones mit jeder Minute sogar immer mehr Potential. Dass der Song kein zufälliges Meisterstück ist, belegen die übrigen Stücke der EP. Etwa A Year From Here, welches sich larmoyant bis schwermütig in sich selbst verliert! Dieser tief in den Eigentümlichkeiten von Post-Punk und New Wave angesiedelte Sound ist eine echte Offenbarung. Auch das düstere Loose Life, bei dem flächige Synthies mit Industrial-Flair kombiniert werden, überzeugt.

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Stream: Palma Violets – Last Christmas on Planet Earth

Mit einiger Verwunderung habe ich festgestellt, dass wir die Indie-Rock-Formation Palma Violets auf diesem Blog noch gar nie erwähnt haben. Dann holen wir das jetzt schleunigst nach, indem wir auf die Weihnachtssingle der Briten verweisen, die den bedeutsamen Titel Last Christmas on Planet Earth trägt. Man darf sich den Song als rockige Suff-Hymne vorstellen, als einen Gegenentwurf zu all der geheuchelten Besinnlichkeit. Last Christmas on Planet Earth fällt so inbrünstig wie verkracht aus, torkelt dahin. Wer einen abgefuckten, völlig dichten Santa erleben und dazu einer unter Drogen stehende Sekte beim Tanzen zusehen möchte, wird auch am Musikclip zum Lied schiere Freude haben.  Weiterlesen