Schatzkästchen 42: Kaleida – Detune

Wenn der Funke überspringt, dann tut er das im Falle von Musik meist binnen Sekunden. Das liegt einerseits daran, dass der durchschnittliche Hörer – und nicht nur der – kaum gewillt ist, sich ewig und drei Tage mit Musik zu beschäftigen, um irgendwie einen Zugang zu finden. Das liegt zum anderen auch daran, dass Musik unmittelbarer wirkt als etwa ein Film. Einem Film räumt man eine gewisse Anlaufzeit ein, um Thema und Protagonisten kennenzulernen. Das Schicksal eines Lieds ist praktisch schon mit den ersten Takten entschieden. Beim Londoner Electro-Pop-Duo Kaleida hatte ich sofort Annie Lennox vor Augen. Vieles in der Art des Gesang ließ auf eine unterkühlte Epigonin schließen. Der Song Detune hat es mir im allerersten Augenblick bereits angetan. Weil er neben jener distanzierten Eleganz auch intime Momente aufflackern lässt. Dem Kollege Nico, auf dessen Blog Nicorola ich das Lied entdeckt habe, ist beim Hören Florence Welch in den Kopf geschossen. Vor allem in den Strophen erscheint mir diese Assoziation sehr angebracht. Detune besitzt eine ganz eigene rätselhafte Aura, wohl auch weil der Tonfall ab und an auch schaumgebremst wirkt, so als gäbe es noch einen Abgrund dahinter zu entdecken. Die Sängerin Christina Wood versteht es, Hintergründigkeit auszustrahlen. Sie besitzt einen Vortrag, der sofort zündet, Mysterien ins Hirn verpflanzt – und große Vergleiche nicht scheuen braucht. Kaleida sind ein Fall fürs Schatzkästchen, keine Frage!

SomeVapourTrails

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.