Schlaglicht 37: Damien Jurado

Die künstlerische Vision ist ein oft bemühter Begriff, der vor allem dann zur Anwendung kommt, wenn man Inspiration vorgaukeln möchte, wo in Wahrheit keine ist. Eine ebenfalls häufige Verwendungsmöglichkeit besteht darin, dass man Sperrigkeit, Unzugänglichkeit oder schiere Unverständlichkeit mit einer für normalsterbliche Ohren ungewohnten künstlerischen Vision begründet. Ich gestehe Musikern im Zweifel wohlwollend zu, dass sie eine klare Vorstellung davon haben, was sie mit einem Album – oder mit Musik generell – ausdrücken möchten. Es muss jedoch jemand vom Schlage eines Damien Jurado sein, der das Format besitzt, diesen beinahe zur Phrase verkommenden Ausdruck wahrhaftig werden zu lassen. Der in Seattle beheimatete Singer-Songwriter hat sich in den letzten Jahren zu einem Liebling dieses Blogs gemausert. Jurado ist einerseits ein Ausbund an Verlässlichkeit, alle zwei Jahre erscheint ein neues Studioalbum. Und eine Platte greift dabei in die andere, im Tun herrscht Kontinuität. Ein Aspekt seines Schaffens etwa ist die Suche nach einem mystischen Sehnsuchtsort, eine Weltflucht aus der Enge gesellschaftlicher Realität. Man darf sich Jurado keinesfalls als Sektenjünger vorstellen, eher schon als Eremit im Hier und Jetzt. Auch das für März 2016 angekündigte Werk Visions of Us on the Land greift besagten Ausstiegsgedanken wieder auf, wie der Track Exit 353 belegt. Bei Jurados Vision handelt es sich freilich um kein futuristisches Heilsversprechen. Sie scheint vom Unbehagen über den Ist-Zustand genährt, von der Suche nach alle Moden überdauernden Wahrheiten geprägt. „Auf dem Pilgerpfad des ewigen Träumers“, unter dieses Motto hatte ich meine Besprechung der letzten Platte Brothers and Sisters of the Eternal Sun gestellt. Und bereits mit Exit 353 wird deutlich, dass Jurado diesen Weg weiterschreitet!

visionsofusontheland

Visions of Us on the Land ist für 18.03.2015 auf Secretly Canadian angekündigt.

Links:

Offizielle Webseite

Damien Jurado auf Facebook

SomeVapourTrails

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