Am Ende einer Liebe – Jacob Faurholt

Es gibt Situationen, Momente und Gefühlslagen, die sich allesamt schlecht beschreiben lassen. Weil sie sich nicht zur Zuspitzung eignen, nicht zum dramatischen Höhepunkt oder gar zum Happy End taugen. Jene chronisch unerwähnten Umstände, Augenblicke und Emotionen werden mit Verachtung gestraft, weil man sie verdammt schwer in Szene zu setzen vermag. Dem dänische Singer-Songerwriter Jacob Faurholt ist jedoch genau dies gelungen. Sein Album Super Glue beschäftigt sich mit jenem Zustand der Schwebe, der nach dem Ende einer langjährigen Beziehung eintritt. Wenn man zwischen einem bedauernden, melancholischen Blick zurück und dem sich aufrappelnden Blick nach vorn in eine neue Liebe ersehnende Zukunft hin- und hergerissen scheint. Super Glue macht ein von Trauer und Hoffnung gleichermaßen geprägtes Innehalten erlebbar. Vor allem aber zeigt es einen reifen, respektvollen Umgang mit der beendeten Beziehung, indem es selbige nicht durch den Dreck zieht, die Erinnerung nie in Bitterkeit ertränkt.

Schauen wir uns die Lieder kurz näher an. Schon das spacig-psychedelische Floating In Space steckt den Rahmen ab. Unwirklichkeit und Träumerei dominieren die Szenerie, verdichten sich zu einem Sein ohne Gegenwart, welches sich nur über das Gestern und das Morgen definiert. Der Song wabert in Vorstellungen dahin, angenehm erkenntnislos. Denn heute wird ein Scheitern ja immer auch als Chance zu persönlichem Wachstum auf dem Weg zur Selbstoptimierung angesehen. Doch enthalten die vermeintlichen Lehren aus gescheiterten Beziehungen oft jede Menge Selbstbetrug, weil sich die charakterliche Prädisposition nicht einfach abschütteln lässt. Faurholt sucht gar nicht erst Erklärungen, packt nicht den Zeigefinger aus, um Schuldzuweisungen vorzunehmen. Er schwelgt schlicht in Erinnerungen, durchdrungen vom Wissen, dass es dennoch irgendwie weitergeht. Man muss im Leben trotz eines Beziehungsendes einiges richtig gemacht haben, wenn man mit einer gewissen Portion Wehmut die Worte „But I hear you’re doing well/ It’s a comforting thought to me/ Cause you’re still my sweetheart/ And I feel lucky to have known someone like you“ ausspricht. Dankbarkeit statt Verbitterung stellt eine Tugend dar! Das Titellied Super Glue gefällt als angelärmter Lo-Fi-Indie-Pop, der den Schmerz auskostet, zugleich schon erste Lichtschimmer am Horizont wahrnimmt. Das Kuddelmuddel der Sentimente wird auch bei Guided By Voices fortgeführt, dessen Refrain („I’m guided by voices, not the band/ I have a suitcase/ It’s full of failed experiments and trash„) mit Augenzwinkern und Selbstmitleid durchsetzt ist. Faurholt lyrischem Ich gelingt der Spagat, Traurigkeit zu schildern, ohne sie zur alleinigen Existenzberechtigung aufzublähen. Zwischen Geknicktheit und Schmerz als Selbstzweck ist ein nicht zu unterschätzender Unterschied! Wenn bei der folkigen Ballade On Top die altbekannten Worte „You are always on my mind“ geäußert werden, geraten jene zu einem einsamen wie versonnenen Versprechen. Das verzerrte, verhallte Dröhnen von Holy Mother wiederum vermag den sich vor Schmerz krümmenden Seelenzustand wunderbar abzubilden. Dieser Nummer folgt mit Future Wife der beste Song dieser Platte. Er träumt sich nach vorn, fantasiert sich ein neues Glück samt Gang vor den Traualtar herbei. Solch knackiger, eingängiger Pop-Rock mit shoegaziger Note lockert das Album zur richtigen Zeit auf. Auf diese Vorstellung folgt jedoch mit Pictures Of You der Beweis, dass das Loslassen keine leichte Angelegenheit ist. Der Gedanke an „Pictures of you and your new family“ bringt den Protagonist einmal mehr an die Grenzen der Leidensfähigkeit. Das ganze Auf und Ab einer Trennung könnte oftmals kaum besser eingefangen werden, so auch bei Stars, einer im Resümee erhabenen Ballade, welche im Verlauf eine schöne Sixties-Instrumentierung verpasst bekommt. Die Zeilen „I don’t mind being sad/ Appreciate what I had“ deuten bereits auf Genesung und somit allmähliche Überwindung des Liebeskummers hin. All die Lieder münden im aussagekräftigen, finalen Titel One Last Goodbye, das den Abschied mit Konfetti und Synthie-Flitter auf famose Weise vollzieht.

Das emotionale Vakuum nach Trennungen und Abschieden ist schwer vermittelbar. Speziell wenn es nicht mit Hysterie und Überreaktion gefüllt wird. Super Glue zeigt seine Reife eben auch dadurch, dass sich hier nicht in Vorhaltungen ergangen wird. Wer freilich fliegende Gegenstände und überbordendes Drama zu den elementaren Dingen eines Beziehungsendes zählt, wird mit der Platte wenig anzufangen wissen. Jacob Faurholt bietet stattdessen eine Schmerzbewältigung, die in ihrer sachten, ruhigen Introspektion unglaublich wohltuend ausfällt. Das Ende einer Liebe kann auch das Beste in einem Menschen hervorbringen. Auch wegen dieser Erkenntnis möchte man Album und Musiker tröstend umarmen!

superglue_cover

Super Glue erscheint am 22.01.2016 auf DME.

Links:

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