Unsere liebsten Songs 2015 (26-50)

Heute will ich ohne große Ansprache den ersten Teil unserer 50 Lieblingslieder vorstellen. Natürlich sind wir keine Listenfetischisten, die aus der Reihenfolge eine Wissenschaft machen wollen. Die Nummerierung dient vor allem der Übersichtlichkeit! All die hier aufgeführten Songs wurden von uns 2015 gerne und viel gehört. Es würde mich sehr freuen, wenn zumindest ein paar dieser Tracks auch beim werten Leser Wirkung zeigen.

keepthevillagealive

26.) Stereophonics – C’est la Vie

Die Pub-Rock-Hyme des Jahres! Das Lokal, in dem diese Nummer ohne jedwede Resonanz durch die Boxen dröhnt, muss erst noch eröffnet werden! (Das Album Keep The Village Alive ist am 11.09.2015 auf Stylus Records erschienen.)

aforestofarms

27.) Great Lake Swimmers – The Great Bear

Der Song birgt einen Hauch von Ewigkeit in sich, berichtet von abgeschiedenen Flüssen und Wäldern, die Zeiten stoisch überdauern, unsere Zivilisation wohl nur als kurze stürmische Episode wahrnehmen. Wie die Percussion gleich Blättern im Wind raschelt, wie ein Banjo gleich dem strömenden Fluss dahinplätschert, wie ein verwaschenes Piano voll Unerschütterlichkeit das Lied durchschreitet, durch diese behutsame Instrumentierung entfaltet sich andächtige Magie. (Das Album A Forest of Arms ist am 24.04.2015 auf Nettwerk erschienen.)

kodiakdeathbeds_cover

28.) Kodiak Deathbeds – Never Change

Schon die ersten Akkorde machen das Herz schwer. Der Vergleich mit den oft als Referenz beschworenen Mazzy Star schien noch selten angebrachter. Resignation und Weltflucht lasten gleich einem Fluch auf dem Lied. Webbers melodischer Gesang wird an manchen Stellen in mehreren Schichten auf das Lied aufgetragen, sodass in den dramatischen Momenten chorhafte Fülle entsteht. Untermalt wird dies von einer fast stoischen Gitarre. (Kodiak Deathbeds ist am 18.09.2015 auf Affairs Of The Heart erschienen.)

whenimfree

29.) Ane Brun – You Lit My Fire

Hier zeigt sich die Chanteuse von ihrer souligsten Seite. Das Lied darf als Hommage an jene verstanden werden, die die uns bekannte Freiheit und Emanzipation ermöglicht haben. Wie es sich in gospelhafte Gefilde vorwagt, wie es aus Inspiration Kraft bezieht, führt zu den imponierenden Momenten der Platte. (When I’m Free ist am 04.09.2015 auf Balloon Ranger Recordings erschienen.)

Imager_cover

30.) Barbarossa – Home (feat. José González)

Barbarossa in allen Ehren, aber die Magie in diesem Duett kommt auch von einem begnadeten José González. Home gelingt in seiner versonnenen Hingabe, im friedlichen Glücksgefühl geradezu perfekt. Mehr gedämpftes Schlafzimmerlicht als in diesem Track wird man im Indie-Bereich schwerlich finden. (Imager ist am 15.05.2015 auf Memphis Industries erschienen.)

Wanda Bussi Albumcover ©Vertigo Berlin

31.) Wanda – Das wär schön

Schon die ersten Akkorde machen den Song zu einem der besten einer überwältigenden Platte. Als satte, kernige, optimistische Rockhymne ist der Titel eine Wucht. (Bussi ist am 02.09.2015 auf Vertigo/Capitol erschienen.)

riversend

32.) Mammút – Salt

Es erscheint mir ein echtes Alleinstellungsmerkmal, wenn eine Band eine feenhafte, entwirklichte Melodik mit Aufgewühltheit und Eruptionen kombiniert. Der Song Salt ist mehr Mär denn Märchen, auf alle Fälle dramatischer Power-Pop der besten Sorte. (River’s End ist am 29.05.2015 auf Bella Union erschienen.)

underbranchthorntree

33.) Samantha Crain – If I Had A Dollar

Im Refrain „I could buy myself a house/ I could get myself a car/ Have all the tea in China/ Smoke the best cuban cigars/ Go to all the parties/ Where they bring their silver spoon/ Oh if I had a dollar/ For every minute I’m missing you“ wird Vermissen wunderbar quantifiziert. Traurigkeit kann so unermesslich sein – und nur die besten Schriftsteller oder Songwriter vermögen die richtigen Worte zu finden, starke Bilder zu erschaffen. (Under Branch & Thorn & Tree ist am 17.07.2015 auf Full Time Hobby erschienen.)

Noel_Gallaghers_High_Flying_Birds_album_artwork.jpg

34.) Noel Gallagher’s High Flying Birds – Ballad Of The Mighty I

Es gerät einerseits zum textlich spannenden Lied, weil es je nach Interpretation zwischen Stalkertum und Schutzengeldasein schwankt. Dazu wurde andererseits ein erstaunlich zeitgemäßer Sound gefunden, der Noel Gallagher endgültig in die Irritation der Moderne eintauchen lässt. Johnny Marr sei Dank!? (Chasing Yesterday ist am 27.02.2015 auf Sour Mash Records erschienen.)

Amy Antin Already Spring

35.) Amy Antin – Merkenich

Müsste ich einen Vergleich wagen, würde ich in diesem Lied ein bisschen Joni Mitchell und ein wenig Melanie sehen. Fast ratlos reibt sich der Song die Augen, geradezu verwundert über einen Samstag im Heim in Köln-Merkenich. Ist das tatsächlich das aus allen Möglichkeiten frei gewählte Leben samt all seiner Routine, welches zu führen lohnt? (Already Spring ist am 06.11.2015 auf Meyer Records erschienen.)

Lana_Del_Rey_Albumcover_UniversalMusic

36.) Lana Del Rey – High By The Beach

Wie in einen Strudel wird man in High By The Beach hineingesogen. High By The Beach ist das Herzstück der Platte, das Video Games von Honeymoon. Das verführerisch-gewisperte Mantra „All I wanna do is get high by the beach“ durchwabert den Song, während fast en passant Vergeltung ersonnen werden. Aus der Lethargie wird Aktivität, Vergeltung funktioniert als Antrieb.  Solch bildschöne Hässlichkeit wickelt um den Finger! Derart klingt der ganz große, für die Ewigkeit gemachte Pop! (Honeymoon ist am 18.09.2015 auf Vertigo Berlin/Universal Music erschienen.)

metric-pagans-vegas-8065

37.) Metric – The Shade

The Shade schenkt sich jeden Vorlauf, entzückt sofort. Und weckt Assoziationen mit den derzeit nicht unpopulären Chvrches. Der fiepende Glitter des Songs und die hungrige Euphorie des Textes lassen Konfetti auf den Hörer regnen. (Pagans in Vegas ist am 18.09.2015 auf MMI erschienen.)

magnifique_cover

38.) Ratatat – Cream On Chrome

Die hypnotische Bassline dieser Nummer ist sagenhaft groovy, dazu gesellen sich noch herrlich auf Bombast getrimmte Gitarreriffs. Cream On Chrome klingt nach der vielleicht durchaus lasziv angehauchten Party, die man immer schon besuchen wollte. (Magnifique ist am 17.07.2015 auf Because Music erschienen.)

avalanche_ep

39.) Kalle Mattson – Avalanche

Den Track Avalanche kann man getrost als Pop bezeichnen, der sich von Dylan den unorthoxen Gesang und von Springsteen die melodische Wucht holt. Wie sehr Mattson Vorbildern huldigt, verrät der zum Song gehörige Clip, in welchem Mattson kultige Albencover nachstellt, sich mit viel Charme in sie hineininszeniert. Der Kanadier hat genug Zutrauen ins eigene Können, um in die Fußstapfen von Legenden treten zu wollen. (Avalanche ist am 02.10.2015 auf Trickser erschienen.)

staticnoise_cover

40.) Brian Lopez – Modern Man

Static Noise entzückt als zeitloses Singer-Songwriter-Meisterwerk, das Ideen und Sentimente mit viel, viel Liebe umsetzt. Brian Lopez ist somit das gelungen, wovon viele Musiker insgeheim träumen. Eine Loslösung von Zeitgeistigkeit, ohne dabei zum billigen Abklatsch des Althergebrachten zu verkommen. Modern Man selbst ist pfiffiger Jangle-Pop samt Western-Flair. (Static Noise ist am 17.04.2015 auf IMG India Records erschienen.)

FeelMe_SPCECO

41.) SPC ECO – Feel Me

Quasi im Monatstakt veröffentlichen Dean Garcia, einst Mitglied bei Curve, und seine Tochter Rose Berlin via Bandcamp neue Songs. Garcia definiert das musikalische Credo der Band augenzwinkernd als Shoedive und Spacegaze. Feel Me besticht durch satten Gitarren-Alternative mit Neunziger-Touch und Rose Berlins jugendlichem Gesäusel. (Die Single Feel Me ist am 02.04.2015 via Bandcamp erschienen.)

iamaloner_tarantina

42.) Tarantina – I Am A Loner

Wer auch immer sich hinter dem Künstlernamen Tarantina – anfangs noch Wray – verbirgt, ob nun ein angehender Produzent oder aber die nächste Shirley Bassey, man wird es hoffentlich bald – am besten im Zuge eines Albumdebüts – erfahren. Dieser Song von Bondscher Wirkkraft beeindruckt jedenfalls sehr! (I Am A Loner ist als kostenloser Download via SoundCloud erhältlich.)

covergirlep

43.) Céline Tolosa – Cover Girl

Das Chanson fällt so anmutig wie tiefsinnig aus. Tolosa verkörpert das Cover Girl, das die Lolita oder Femme Fatale für Glamour-Magazine mimt. Doch hinter der glitzernden Fassade des Modegeschäfts lauert die Erkenntnis, dass auch sie eines Tages ausgetauscht werden wird, spätestens wenn ein dünneres Model des Weges kommt. (Die EP Cover Girl ist am 05.05.2015 erschienen.)

Tocotronic Albumcover Vertigo Berlin

44.) Tocotronic – Solidarität

In ihren wahrhaftigsten Momenten sind die vier Herren nicht elitär und schon gar nicht mehrheitsfähig, in den eindringlichsten Momenten sind sie auf ewig gedankenvolle Außenseiter, die die Last der Welt auf ihren filigranen Schultern balancieren. Solidarität erwächst zu einer reinen Poesie der Humanität. (Das rote Album ist am 01.05.2015 auf Vertigo/Universal erschienen.)

starfire_cover

45.) Jaga Jazzist – Big City Music

Big City Music imponiert als 14 Minuten irrlichternde, episodenhafte Suite, die tief in den städtischen Kosmos eindringt, eine Art Husarenritt durch unterschiedliche Viertel und Tageszeiten wagt. All die rhythmische Wechsel, die schwankenden Intensitäten, jenes Hin und Her aus Kontemplation und Hektik sowie die Verquickung von digitalen Effekten und Orchester zeugen von einem Geniestreich! (Starfire ist am 29.05.2015 auf Ninja Tune erschienen.)

Eidôlon_cover

46.) Venera 4 – Colored Fields

Die Pariser Formation Venera 4 ist mit Colored Fields ein herrliches Duett geglückt. Weil es schimmert und schrillt, weil es einen Zwiegesang von beiläufiger Schönheit bietet. Weil es eine Atmosphäre erschafft, die sich so sacht an den Hörer schmiegt. (Eidôlon ist am 02.03.2015 auf Requiem pour un Twister erschienen.)

EverythingWentDownAsPlanned

47. A Tale Of Golden Keys – Waves

Das zwischen melodischer Zartheit und aufbrausendem Indie-Rock pendelnde Waves zählt zum Besten, was 2015 in Deutschland fabriziert wurde. (Everything Went Down As Planned ist am 23.10.2015 auf Trickser erschienen.)

Dave Gahan & Soulsavers Albumcover ©SonyMusic

48.) Dave Gahan & Soulsavers – My Sun

Die Zeilen „I feel your sorrow, I feel your pain/ Behind the darkest clouds the sun always shines again“ sind der erlösungstrunkene Schlußpunkt einer wunderbaren Platte. (Angels & Ghosts ist am 23.10.2015 auf Columbia erschienen.)

lifeasadog

49.) K.Flay – Can’t Sleep

Can’t Sleep ist ein Song wie aus dem Bilderbuch. Eine starke Mischung aus ungemein einnehmendem Elektro-Pop, hektischen Rap-Passagen und genug Kratzbürstigkeit, um die Carpe-Diem-Sehnsucht nicht in Zuckersüße zu tunken. (Life As A Dog ist am 21.08.2015 auf Humming Records erschienen.)

Ici-le-jour-a-tout-enseveli

50.) Feu! Chatterton – Le Pont marie

Wenn mich die Reste meines Schulfranzösisch nicht im Stich lassen, wird in diesem Lied vom tragischen Ende einer Amour fou fantasiert. Großartig! (Ici le Jour (a tout enseveli) ist am 16.10.2015 auf Barclay/Universal erschienen.)

Die Plätze 1-25 gibt es dann morgen. Spotify-Playlist inklusive!

SomeVapourTrails

Ein Gedanke zu „Unsere liebsten Songs 2015 (26-50)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *