Schlaglicht 45: Mairearad Green

Der schottische Singer-Songwriter King Creosote hat sich vor 2 Jahren mit seinem Album From Scotland With Love in die Riege meiner Lieblinge gehievt. Er besitzt eine Stimme, die sich schwer beschreiben lässt. Da ist natürlich der unüberhörbare schottische Akzent, der dem Timbre eine gewisse Kernigkeit gibt. Dazu gesellt sich noch ein von Understatement beseelter Vortrag, dessen angenehme Nachdenklichkeit verfängt. From Scotland With Love hat mich 2014 wirklich entzückt. Und über eben jenen King Creosote bin ich auf seine Landsfrau Mairearad Green gestoßen. Die Folkmusikerin Green nimmt sich der großen regionalen Traditionen an, modernisiert sie mit Bedacht. Ihr dieser Tage erscheinendes Album Summer Isles verweist auf eine Inselgruppe in den schottischen Highlands. Die Pianoballade Blessing on Tanera ist eine poetisch-tagträumerische Hommage an Tanera Mòr, einer unbewohnten Insel, die zu den Inneren Hebriden gezählt wird. Eine friedliche, selige Entrücktheit kennzeichnet auch das Lied  A Tanera Talisman. Dessen kontemplative Atmosphäre wird von dezenter Streicher-Instrumentierung ausgestaltet. In einem gewissen Kontrast dazu steht Star of Hope, das der Ausgangspunkt meiner Entdeckung dieser Platte war. Hier gastiert King Creosote hinter dem Mikro, drückt dem Song im positivsten Sinne seinen Stempel auf. Star of Hope, das seinen Titel von einem zwischen den Inseln verkehrenden Handelsschiff bezieht, kommt dank Schlagzeug und Bass dynamischer rüber. Dieses Stück wäre in dieser quirlig-zärtlichen Weise auch auf einem Album King Creosotes sehr gut aufgehoben. Nicht umsonst scherzt er: „I feel as though I answered a personal ad that read: ‚Virtuoso bagpiper/accordionist from the Summer Isles seeks middle-aged alt. folk singer to collaborate on an original song that he might well wish he could poach for his own album.'“

Folk ist wohl das Genre, das sich besonders zu regionalen Bezügen eignet. Auch deshalb finde ich es mitunter schade, dass Folk mittlerweile oftmals so international, so weit weg von Ursprüngen klingt. Oftmals haben wir ja bei Folk vor allem das im Ohr, was aus den USA zu uns schwappt. Indem Mairearad Green die schottischen Wurzeln betont, ein Stimmungsbild der Summer Isles zeichnet, dabei eine ganz eigene kompositorische Qualität an den Tag legt, beschert sie uns eine wirklich feine Platte, die Sehnsucht nach der rauen Schönheit Schottlands weckt. Zumindest mir gehen die Summer Isles so schnell nicht aus dem Kopf!

summerisles_cover

Summer Isles erscheint am 26.02.2016 via Buie Records.

Links:

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