Bittere Süße & süße Bitterkeit – The Birds Of Passage

Textlich mit Emotionen und der Liebe ringend, musikalisch von Lagerfeuerwärme erfüllt, so präsentiert sich der akustische Folk-Pop des Albums Ruska. Die Sachtheit des Duos The Birds Of Passage gerät perfekt, auf bemerkenswerte Weise unaufdringlich, regelrecht scheu. Die im finnischen Helsinki beheimatete Formation entwickelt einen herrlich fragilen Zauber, der gemeinsame Gesang von Tanja Ingley und Patrik Andersson kreist um Gitarrenmusik und den einen oder anderen Streicher-Akzent. Mit recht überschaubaren Mitteln wird eine verhaltene Stimmung erschaffen. Eine Atmosphäre eigentümlicher Vertrautheit kreiert, der Blick in ein nachdenkliches, zuweilen unsicheres und dennoch hoffnungsvolles Inneres gewährt.

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Ihren Namen hat die Platte vom finnischen Altweibersommer erhalten. Und schon der Eröffnungstrack Silent Clouds ist von molliger Wärme und einem luftigen Gesang beseelt. Ingleys milde Stimme wird vom summenden Brummen Anderssons ergänzt. In all dieser Seligkeit der Harmonien knarzt es textlich, es ist ein emsiges Zweifeln, ein Kämpfen um den Glauben an einen Zusammenhalt. Ruska fabriziert so einige Beziehungsminiaturen, bei denen Glück und Sorge, Bangen und Zuversicht eng miteinander verknüpft sind. Solch Musik lagerfeuert auf einem von bunten Blättern gesäumten Waldboden, schaut sich in der Einsamkeit um und verfällt ins Grübeln. Oder sie blickt fragend zu den Sternen hoch und versonnen weit übers Meer hinaus. Angels Will Sound steht für jene innere Einkehr in der Abgeschiedenheit. Unraveling Threads dagegen sieht einen wispernd-leisen Andersson am Mikrofon, ehe das Stück in ein Duett übergeht. Das Lied bietet ein Bild, das den Charakter der Platte wahrscheinlich am besten einfängt, wenn es von zwei halben Herzen erzählt, die zu einem einzigen zusammengenäht werden, verbunden mit der Hoffnung, dass dafür auch genug Faden vorhanden ist. Hopeland ist am anderen Ende des emotionalen Spektrums angesiedelt: „If I had strength to give you/ If a small heart could beat for two/ If I had strength to give/ I’d give it to you/ But I gave it all„. Die schöne Melodie dieses Refrains kaschiert kaum die bedauernde Hilflosigkeit, die diesen Worten innewohnt. Ob bittere Süße oder süße Bitterkeit, Ruska vermag beides fein zu zeichnen. Sehr gelungen fällt auch In Between Your Eternity And Mine aus, dem die dezente Streicher-Staffage sehr guttut. In den vom Sound fülligeren Momenten der Platte erahnt man, wohin die Reise dieses Duos noch führen kann. So wunderbar sich Ingley und Andersson gesanglich auch ergänzen, in einem Maß sogar, das tiefe Verbundenheit geradezu greifbar werden lässt, so aufgeräumt das Album insgesamt wirkt, traut man The Birds Of Passage noch weiteres Entwicklungspotential zu. Weil alle Nachdenklichkeit von Wärme beseelt scheint, nie das große, bleischwere Drama angeboten wird, sogar Liebesschwüre mit Bedacht gewählt werden. Diese Musik der vorsichtigen Zwischentöne entwickelt einen ganz eigene Anziehungskraft, schreit in dieser Hinsicht nach weiterer Ausgestaltung! Gegen Ende hin laufen The Birds Of Passage erst richtig zur Bestform auf. Die selbstverständliche Bestimmtheit, mit der die Gemeinsamkeit bei Yellow Avenue ausgedrückt und gegen alle Zerbrechlichkeit verteidigt wird, imponiert. Beim finalen Harbor Lights mit seinen Zeilen „Trouble may find us/ But let’s run as fast as we can/ Into the harbor lights“ manifestiert sich dieser Wille zur Verschworenheit ebenfalls. Wie es sich an die mit Flausen durchsetzte, sich anbahnenden Liebe erinnert, zählt auch textlich zu den eindrücklichsten Stücken.

Die von mir hochgeschätzte Bloggerkollegin Eva-Maria hat das umgesetzt, wovon Enthusiasten zwar oft sprechen, es aber zu selten wagen. Sie hat nämlich ein Musiklabel gegründet. Hurra! Ruska ist die erste Platte, die auf dem Label Ice Will Melt Records erscheint. Dieses Werk ist ein mit Bedacht gewählter Auftakt, der die Art von Klängen beinhaltet, die Eva-Maria mit ihrem Polarblog und Plan My Escape seit Jahr und Tag schon liebevoll begleitet. Und The Birds Of Passage sind genau die Sorte Duo, das mit seiner bescheidenen, zärtlichen Ausstrahlung einem kleinen, fraglos feinen Indie-Label prima zu Gesicht steht. Mögen bald, sehr bald weitere Veröffentlichungen folgen!

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Ruska ist am 11.03.2016 auf Ice Will Melt Records erschienen.

Links:

Offizielle Webseite

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SomeVapourTrails

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