Schatzkästchen 52: Richard Ashcroft – This Is How It Feels

Als um die Jahrtausendwende die ganz große Britpop-Welle abebbte, gingen deren Protagonisten unterschiedlicheste Wege. Radiohead mutierten zum Alternative-Act schlechthin und erfanden die Musik ein bisschen neu. Blurs Damon Albarn wagte mit den Gorillaz einen fantastischen Neustart. Ein Jarvis Cocker nutzte das Ende von Pulp, um nun solo den zeitlosen Kauz raushängen zu lassen. Richard Ashcroft wiederum verbrachte seine Zeit nach The Verve ebenfalls nicht untätig. Seine Soloplatten zählen für mich noch immer zum Allerbesten, was in den letzten 15 Jahren von der Insel erschallt ist. Ashcroft hatte – und hat – nämlich die schönste, wärmste, eleganteste Stimme seiner Generation. Er mag vielleicht weniger Type als die eingangs genannten Bands und Musiker sein, nie an den Starkult der Marke Oasis heranreichen, von der gesanglichen Brillanz her gedacht kann ihm jedoch absolut niemand das Wasser reichen. Dass Ashcrofts Aufnahmen in der Vergangenheit von einigen Musikgazetten gern durch den Kakao gezogen werden, lässt sich vielleicht damit erklären, dass ein Melancholiker mit einer mächtigen Stimme und teils hymnischen Balladen selten ins Beuteschema der Musikpresse passt. Die krankhafte Abscheu, mit der gewisse Magazine sein Schaffen begleitet haben, wird Herrn Ashcroft dennoch wenig jucken. Sie wird wohl auch die für Mai angekündigte Soloplatte These People begleiten. Die erste Single This Is How It Feels jedenfalls knüpft da an, wo United Nations of Sound (2010) aufgehört hat. Im Refrain mutet sie pompös und bombastisch an, in den Strophen wirkt die gefühlvolle Charakteristik des Vortrag edel wie immer. Die große Geste, die man von Musik oft erwartet, vermag Ashcroft somit einmal mehr zu leisten. This Is How It Feels watet durch ein Tal der Tränen und Schwierigkeiten, um nun den Neubeginn zu wagen. Der Refrain „She went down straight through my veins/ Now I’m back home again/ I’ve been waiting for/ The sun to come again“ schmachtet geradezu euphorisch besseren Zeiten entgegen. Und mindestens ebenso hoffnungsfroh blicke ich These People entgegen. Der Mai darf kommen!

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These People erscheint am 20.05.2016 auf Righteous Phonographic Association via Cooking Vinyl.

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