Schlaglicht 46: James

Urgesteine müssen noch lange nicht zum alten Eisen gehören, wortspielte ich vor 2 Jahren angesichts des Albums La Petite Mort der Neunziger-Formation James. Die Band aus Manchester hat zwar hierzulande nie wirklich Fuß gefasst, auf der Insel in den Neunzigern aber durchaus Erfolge gefeiert. Seit ein paar Jahren bringen James rund um den sehr charismatischen Frontmann Tim Booth wieder Platten heraus – und zeigen sich viel, viel besser gealtert als die meisten der wieder aktiven Bands von damals. Bei James ist die Luft lange noch nicht raus, wie auch die ersten Vorboten des neuen Werks Girl At The End Of The World belegen. To My Surprise verpasst dem eigentümlichen Britpop-Sound der Band einen durchaus modernen, knackigen Anstrich. Dem Track wurde sogar noch ein animiertes Video spendiert, das allem Hass mit rosa Wolken begegnet, den bepillten Drang nach Ruhm und Schönheit persifliert, sich gegen Waffen stark macht, die Rhetorik rechter Hetzer kritisiert, stattdessen Obama und Putin zu einem Kuss vereint. Der tolle Clip kämpft gegen alles Unbehagen der Gegenwart, träumt von Versöhnung. Musikalisch besser gelingt die Hymne Nothing But Love, bei der der Titel zugleich Programm ist. Auch in diesem Fall wurde ein sehenswertest Musikvideo produziert, das eine mit einem guten Twist aufwartende Außenseitergeschichte erzählt. Was die sehr unterschiedlichen, liebvevoll fabrizierten Clips übrigens eint, ist ein mehr oder weniger expliziter Bezug zu gleichgeschlechtlicher Liebe. Mir wären James in dieser Hinsicht bislang nicht als Aktivisten im Gedächtnis geblieben, umso mehr freut es mich, dass die Mittfünfziger neben der musikalischen auch eine thematische Frische an den Tag legen. Beste Vorzeichen also für ein Album, das verdammt gute Chance hat, zur sich für 2016 anbahnenden Renaissance britischer Neunziger-Ikonen beizutragen. Ich bin gespannt!

girlattheendoftheworld

Girl At The End Of The World erscheint am 18.03.2016 via BMG Recordings.

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