Schatzkästchen 54: Bryde – Help Yourself

Sich die Seele aus dem Hals fiebern? Rohe Emotionen in Gitarrensound verpacken, mit einem Mindestmaß an Zügelung versehen? Aus dem Herzen keine Schlangengrube machen? Sängerinnen mit diesem Gefühlsprofil habe ich vor zwanzig Jahren schon gemocht, dem Prinzip „raue Schale, weicher Kern“ kann ich bis heute viel abgewinnen. So auch der Britin Bryde, die mich mit ihrem Song Help Yourself sofort beeindruckt hat. Mein musikalisches Gedächtnis sieht Parallelen zu einer PJ Harvey. Doch lässt es mich leider auch im Stich. Denn speziell der Refrain erinnert mich vom gesamten Flair an einen Song, den ich vor langer Zeit gerne und oft gespielt habe. Doch wie heißt er? Von wem stammt er? Und warum zum Teufel ist er mir aus dem Erinnerung geflutscht? Sei’s drum, wenn Frau Bryde mehr Tracks wie diesen hinbekommt, prognostiziere ich ihr eine rosige Zukunft. Sie selbst verortet sich übrigens im Genre Alternative.  Weiterlesen

Schlaglicht 49: Wyldest

Betörenden Dream-Pop mit einer sogar für dieses Genre makellos hellen Stimme beschert uns das Londoner Trio Wyldest. Die vor wenigen Tagen erschienene EP Dark Matter ist nicht weniger als eine echte Offenbarung. Schon der Opener Wanders bietet mehr als selbst hartgesottene Anhänger des Genres erhoffen mögen. Der Track huscht durch eine traumgleiche Wildnis mit tosenden Wasserfällen, durch ein gefährliches Paradies der Leidenschaften und Sehnsüchte. Diese verwunschene Romantik wird durch schauernde Synthies und eine shoegazige Gitarre verdichtet. Einen ähnlichen Strudel der Emotionen bildet Stalking Moon ab. Die Frage „Is there something more to you than this?“ wird im Verlauf des Stücks mit zunehmender Dringlichkeit gestellt, was sich auch dadurch äußert, dass der nicht von dieser Welt scheinende Sound allmählich Fahrt aufnimmt, in Richtung Post-Punk abgleitet. Zoe Meads Gesang lotet die Abgründe des Fühlens wunderbar aus, sie ist eine Frontfrau, wie sie im Buche steht. Was sie auch einmal mehr beim Titeltrack Dark Matter unter Beweis stellt. Die Nummer ist gesanglich lasziver angelegt, wird dabei von schwülen Synthies unterstützt.  Weiterlesen